Gigantischer Einschlag in der Antarktis

Meteoriteneinschlag Antarktis

Außerirdische Partikel und ein gigantischer Meteoriteneinschlag in der Antarktis – das haben Forscher nun im ewigen Eis entdeckt. Was hat es damit wohl auf sich?

Die Ausmaße der Antarktis sind kaum zu begreifen. Die größte Eiswüste der Welt erstreckt sich über 13,2 Millionen Quadratkilometer und hat jede Menge Landschaftsmerkmale, die auf anderen Kontinenten vermutlich absolute Touristenattraktionen wären. Eine dieser spektakulären Landschaften ist das Sør Rondane Gebirge in der Ostantarktis. Dieses Bergmassiv erstreckt sich über 160 Kilometer und seine Gipfel erreichen Höhen von 3.400 Metern. Lägen diese Berge in Europa, würde sie vermutlich jeder kennen und Dj Ötzi hätte schon drei Après-Ski-Songs darüber verfasst. Aber da sie in der unwirtlichen und schwierig zugänglichen Antarktis liegen, sind diese Berge relativ unbekannt. 

Wird verarbeitet …
Erledigt! Sie sind auf der Liste.

Ein britisches Forscherteam hat sich dorthin gewagt. Und was sie dort fanden, ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht von dieser Welt. Auf dem Gipfel des Walnumfjellet, einer der Berge im Sør Rondane Gebirge, fanden sie außerirdisches Material. Gesteinsproben, die nicht von der Erde stammen, sondern von einem anderen Himmelskörper, der irgendwann mal auf der Erde eingeschlagen sein muss. 

Satellitenbild des Sør Rondane-Gebirges

Dank des Materials und der Struktur der Umgebung konnten die englischen Forscher einiges über den Einschlag herausfinden. Die Entdeckung deutet auf einen so genannten meteoritischen Tieflandeinschlag hin, bei dem ein Strahl aus geschmolzenem und verdampftem Material eines mindestens 100 Meter großen Meteoriten mit hoher Geschwindigkeit die Oberfläche erreichte. Die Auswirkungen des Einschlags erstreckten sich über ein Gebiet von fast 2.000 Kilometern. Das ist etwas mehr als die Entfernung von Köln nach Lissabon, also wirklich ein gigantisches Gebiet. 

Meteorit
Ein echter Meteorit fürs Wohnzimmer!

Bruchstück eines großen Eisenmeteoriten aus Campo del Cielo in Argentinien.

Meteoriteneinschlag ohne Krater?

Der Einschlag muss vor 430.000 Jahren geschehen sein – für menschliche Maßstäbe ist das eine lange Zeit. Geologisch gesehen war das gestern. Seltsam erscheint auf den ersten Blick, dass es keinen riesigen Krater zu geben scheint – bei einem solch heftigen Ereignis müsste doch eigentlich einer entstanden sein, oder? 

Dort liegt das Walnumfjellet

Bei meteoritischen Tieflandeinschlägen ist es aber typisch, dass es keinen wirklichen Krater gibt. Das Forscherteam schreibt in seiner Arbeit: “Das Fehlen eines bestätigten Kraters auf dem antarktischen Eisschild und die geochemischen Sauerstoffisotopsignaturen lassen die Hypothese zu, dass die Einschlagspartikel aus einem Touchdown stammen, bei dem ein projektilartiger Dampfstrahl mit dem antarktischen Eisschild interagiert. Numerische Modelle unterstützen das Szenario eines Touchdown.” Einfacher gesagt: Durch den flachen Einschlagswinkel des Meteoriten, der dann zu einem sogenannten Touchdown führt, und die spezielle Wechselwirkungen mit dem Eisschild ist kein Krater entstanden, sondern nur eine senkrechte Explosionssäule. 

Rasterelektronen-Untersuchung: außerirdisch oder nicht?

Wie findet man überhaupt heraus, ob Partikel, die man findet, irdischen oder kosmischen Ursprungs sind? Durch eine sogenannte Rasterelektronen-Untersuchung lässt sich viel über die Struktur von gefundenen Steinchen herausfinden. Unten seht Ihr die Rasterelektronen-Rückstreuungsbilder von Partikeln vom Gipfel des Walnumfjellet. Die Chemie der Spurenelemente in diesen Partikel und der hohe Nickelgehalt beweisen die extraterrestrische Herkunft dieser Teilchen. Und die Sauerstoffisotopsignaturen lassen sich nur so erklären, dass dieses Material bei einem Einschlag mit dem Sauerstoff im antarktischen Eisschild reagiert hat. Das klingt alles sehr abstrakt, aber Geowissenschaftler können daraus ableiten, dass es sich um Meteoriten-Material handelt.

Rasterelektronen-Rückstreuungsbilder der Partikel

Die Relevanz von Einschlägen in der Antarktis

Man könnte sich jetzt fragen, weshalb es überhaupt wichtig ist, mehr über Einschläge in der Antarktis herauszufinden. Stellt euch mal vor, so ein Ding würde nicht im Sør Rondane Gebirge runterkommen, sondern über Köln. Das Verständnis über solche Einschläge kann uns helfen, mögliche Auswirkungen und Schäden zu prognostizieren. Ein solches Touchdown-Ereignis könnte absolut verheerend sein, wenn es über besiedelten Gebieten stattfände.

In der Studie heißt es: “Abgesehen von der Bildung einer großen Abgasfahne und der Injektion von Eiskristallen und Aufprallstaub in die obere Atmosphäre, wenn sie über der Antarktis stattfinden, stellen Touchdown-Ereignisse keine Bedrohung für menschliche Aktivitäten dar. Wenn jedoch ein Touchdown über einem dicht besiedelten Gebiet stattfindet, würde dies zu Millionen von Opfern und schweren Schäden über Entfernungen von bis zu Hunderten von Kilometern führen.”

Ihr wollt mehr über dieses spannende Thema erfahren? Dann schaut euch das neue Video zum Einschlag in der Antarktis von Astro-Tim an:

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