Verrücktes Erdmagnetfeld: Die Wanderung der Pole

Polsprung auf der Erde

Das Erdmagnetfeld spielt verrückt. Einige Forscher befürchten, dass dies ein Anzeichen für einen kommenden Polsprung sein könnte. Potentiell gefährlich für die Menschheit? Lest weiter!

Ein Dankesgruß an unser Erdmagnetfeld? Sollte man schon mal in seinen Tagesablauf einbauen. Denn es ist unser alltäglicher Beschützer vor dem gefährlichen Sonnenwind, ein energiereicher Partikelstrom, den unser Stern aussendet und der die Erde in sehr abgeschwächter Form trifft. Eines von vielen Resultaten: Polarlichter.

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Aber warum sorgt der Sonnenwind überhaupt für die meistens harmlosen Polarlichter? Das liegt daran, dass dieser Sonnenwind vom Erdmagnetfeld eingefangen wird. Es leitet ihn gezielt in Richtung Nordpol und Südpol, wo er die Atmosphärenschichten energetisiert und zum Leuchten bringt. Hätten wir kein planetares Magnetfeld, würde der Sonnenwind uns permanent frontal treffen und so zur großen Bedrohung für Satelliten und das Stromnetz werden. 

Das Magnetfeld wandert

Dass das Magnetfeld bestehen bleibt, ist also von großem Interesse für uns – aber jetzt die schlechte Nachricht: Schon mehrfach in der Erdgeschichte kam es zu heftigen Umbrüchen im Magnetfeld. Bei einem sogenannten Polsprung kehren sich magnetischer Nordpol und magnetischer Südpol um. Die magnetischen Pole sind übrigens nicht identisch mit den geographischen Polen. Unten seht Ihr, wie sehr der magnetische Nordpol in den letzten Jahren gewandert ist. 

Der magnetische Nordpol bewegt sich derzeit mit 40 Kilometern pro Jahr. Der Geologe Ciaran Beggan vom British Geological Survey sagt: “Der magnetische Nordpol ist in den letzten 350 Jahren immer um denselben Teil Kanadas gewandert. Doch seit den 1980er Jahren ist die Geschwindigkeit, mit der er sich bewegt, von zehn km pro Jahr auf knapp 50 km angestiegen. Bis 2040 werden wahrscheinlich alle Kompasse östlich des wahren Nordens ausgerichtet sein.” Die kuriose Bewegung des magnetischen Nordpols ist also ein Indiz, dass die Pole zu einem Sprung ansetzen könnten. 

Wanderung des magnetischen Nordpols

Was passiert bei einem Polsprung?

Wenn ein solcher Polsprung geschieht, hat das heftige Auswirkungen auf den ganzen Planeten. Vor 42.000 Jahren etwa kam es zu einer Polumkehr und anhand der Analyse von konservierten Baumstämmen aus dieser Zeit konnten Forscher ermitteln, dass es zu einer globalen Klimaveränderung kam sowie erhöhter Strahlung, vor allem in den Gebieten, über die die magnetischen Pole bei ihrem Tausch wanderten. Denn – wir erinnern uns – dort wo die magnetischen Pole sind, wird der Sonnenwind über die Magnetfeldlinien hingeleitet. 

Wenn also der magnetische Nordpol nun beschließen würde, seine Position zu tauschen und dabei über Europa wandern würde, käme es nicht nur zu jeder Menge Polarlichtern hier bei uns, sondern im Zweifelsfall auch zu einem massiven Anstieg gefährlicher Strahlung. Es käme dann vermutlich zu einer Art Strahlungsbombardement, das die Ozonschicht schädigen würde, was schließlich die Wärmeabsorption von UV-Licht in großen Höhen reduziert. Dadurch kommt es zu einer Abkühlung in großer Höhe, was dann die Windsysteme beeinflusst, was wiederum drastische Klimaeffekte nach sich ziehen würde. 

Ein Polsprung würde einen Dominoeffekt an eher unschönen Effekten auslösen. Tatsächlich gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass ein Polsprung zeitlich gesehen überfällig ist. Häufig kündigte sich eine solche Polumkehr außerdem durch ein Abschwächen des Erdmagnetfelds und das Auftreten riesiger Anomalien an. Aktuell gibt es eine solche Magnetfeld-Anomalie im Südatlantik, wie Ihr unten auf der Darstellung seht. Das globale Erdmagnetfeld ist außerdem in den letzten 180 Jahren um zehn Prozent schwächer geworden.

Was ist da los? Die südatlantische Anomalie

Steht der Polsprung bevor?

Um herauszufinden, ob der Polsprung unmittelbar bevorsteht, hat ein schwedisches Forscherteam eine der bisher größten Untersuchungen zu dem Thema durchgeführt. Dafür haben sie geomagnetische Daten und archäologische Magnetdaten der letzten 9.000 Jahre ausgewertet. Das ist ohne Zeitmaschine natürlich nicht ganz so einfach, deswegen haben sie unter anderem gebrannte Tonobjekte, Lava und Sedimente, deren Material die damals aktuellen Feldstärken und Ausrichtungen konserviert haben, analysiert. Aus diesen Daten rekonstruierte das Team die Entwicklung des Erdmagnetfelds und seiner globalen und regionalen Veränderungen. 

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Der beteiligte Forscher Andreas Nilsson sagt: “Wir haben dafür eine neue Modellierungstechnik entwickelt, die diese indirekten Daten aus verschiedenen Zeitperioden und Orten zu einer globalen Rekonstruktion des Magnetfelds der letzten 9.000 Jahren vereint.” Die Forscher haben dabei Erstaunliches herausgefunden: Das Erdmagnetfeld scheint des öfteren einfach mal etwas launisch zu sein. Anomalien und Schwächeperioden treten zyklisch auf und führen in den seltensten Fällen zu einer Polumkehr. Laut den schwedischen Forschern kam es im Laufe der letzten Jahrtausende etwa alle 1.300 Jahre zu einer exzentrischen Phase des Erdmagnetfelds. Auch die Südatlantik-Anomalie scheint nichts Außergewöhnliches zu sein. Eine ganz ähnliche Anomalie konnten die Forscher für das Jahr 600 vor Christus datieren. 

So sieht unser Erdmagnetfeld aus

Der Ursprung solcher Anomalien liegt in der Wechselwirkung zwischen Erdkern und Erdmantel. Andreas Nilsson sagt: “Basierend auf den Ähnlichkeiten mit früheren Anomalien sagen wir voraus, dass die Südatlantik-Anomalie wahrscheinlich schon in den nächsten 300 Jahren wieder verschwinden wird.” Insgesamt bedeutet das,,dass das derzeitig auffällige Verhalten des Erdmagnetfelds wieder nur eine periodische Schwächephase ist und nicht zwingend auf einen baldigen Polsprung hindeuten muss. Aber: Eine komplette Entwarnung ist das nicht. Denn einige Phänomene des Erdmagnetfelds sind nach wie vor ungeklärt. Vor allem die rasante Wanderung der magnetischen Nordpole, die derzeit stattfindet, konnten auch die schwedischen Forscher mit ihrer neuen Untersuchung nicht erklären. Dies scheint kein normales periodisches Verhalten zu sein, sondern ist schon selbst über lange geomagnetische Zeiträume gesehen bemerkenswert. Außerdem wissen wir, dass es irgendwann zu einem Polsprung kommen wird – es ist keine Frage des ob, sondern eine Frage des wann. 

Die neue Studie zeigt, dass wir uns vermutlich kurzfristig keine Sorgen machen müssen und “kurzfristig” in geologischen Zeiträumen reicht vermutlich aus, um ein solches Ereignis für unsere Lebensspanne auszuschließen. Aber irgendwann – sei es in 200, 2.000 20.000 Jahren – werden die magnetischen Pole noch mal ihren Walzer aufführen und die Plätze tauschen. 

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