Mosaik der Vergangenheit: die Gegenwart existiert nicht

Darstellung eines Astronauten in Raum und Zeit

Die Gegenwart existiert nicht. Ihr seid in einer Zeitfalle gefangen. Das ganze hat etwas mit der Lichtgeschwindigkeit zu tun. Ähm, wie bitte?

Wir beginnen direkt mal mit einer Zeitreise! Schaut euch mal das unten stehende Bild der Galaxie IC 4653 an. Diese Sterneninsel befindet sich in rund 80 Millionen Lichtjahren Entfernung zu uns. Wenn Ihr diese Galaxie seht, dann bedeutet das, dass das Licht von dort 80 Millionen Jahre auf dem Weg war. Anders gesagt: Ihr seht diese Galaxie so, wie sie vor 80 Millionen Jahren aussah. 

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Dieses Bild zeigt uns die Galaxie IC 4653 so, wie sie war, als auf der Erde noch Dinosaurier lebten. Das bedeutet andersrum: Wenn Alien-Astronomen aus dieser Galaxie die Erde beobachten, dann würden sie… richtig, Dinosaurier sehen. Nichtsahnend, dass dieser Planet mittlerweile nicht mehr von riesigen Echsen, sondern von wenig behaarten Affen beherrscht wird. 

Foto von der Galaxie IC 4653
Lange Reise des Lichts: Von der Galaxie IC 4653 ist das Licht extrem lang bis zu uns unterwegs

Jeder Blick in den Weltraum ist ein Blick in der Zeit zurück. Selbst einige der Sterne an unserem Nachthimmel sind vielleicht schon längst nicht mehr da, sondern bereits vor einiger Zeit gestorben in einer Supernova oder als Weißer Zwerg. Wir sehen den Stern aber noch quicklebendig, da das Licht seines Todes noch nicht bei uns angekommen ist. 

Teleskope als Zeitmaschine

Und das bedeutet dass Weltraumteleskope wie Hubble und James Webb im Prinzip nichts anderes sind als extrem leistungsfähige Zeitmaschine. Mit James Webb können wir in ungeahnten Details Galaxien von vor 13 Milliarden Jahren sehen. Und dadurch, dass das Licht dieser weit entfernten Galaxien jetzt erst auf das James Webb Teleskop trifft, ist das Aussehen von vor 13 Milliarden Jahren konserviert als Moment in der Zeit. Das ist ja schon alles unglaublich genug, aber jetzt wird es noch unfassbarer: Diese Zeitreisen spielen sich nicht nur beim Blick in den Weltraum ab, sondern auch jetzt in eurem Leben. Ihr seid Gefangene der Zeit. 

Die Gegenwart existiert nicht. Alles, was Ihr in eurem Leben wahrnehmt, all die tollen Orte, die Ihr gesehen habt, jeden Kuss, denn Ihr hattet, all das habt Ihr nie live erlebt, auch nicht in dem Moment, in dem es vermeintlich geschehen ist. Und das liegt in der Natur der Lichtgeschwindigkeit. Stellt euch mal in einen Raum zwei Meter vor irgendein anderes Objekt, sagen wir mal, zwei Meter vor einen Schokokeks. Bei einer Distanz von zwei Metern benötigt das Licht von diesem Schokokeks bis zu euch sechs Nanosekunden. Ihr seht den Keks also nicht so, wie er gerade ist, sondern wie er vor sechs Nanosekunden aussah. Man kann diese Zeitspanne natürlich verringern, indem man den Keks nimmt und isst. 

Frau beißt in Schokokeks
Schokokekse: Nie real, immer vergangen

Nichts ist real

Und genau so verhält es sich auch mit allem anderen, das euch umgibt. Ihr habt mit eurem Partner beispielsweise noch nie einen Moment gleichzeitig in der Gegenwart geteilt. Wenn Ihr eurer Freundin in die Augen schaut, ist das nichts anderes, als wenn Ihr die Sterne am Nachthimmel anschaut und sie so seht, wie sie vor Jahrtausenden aussahen, nur dass es beim Gesicht eurer Freundin keine Jahrtausende sondern Nanosekunden sind. Aber das ändert nichts am Prinzip: Alles, was Ihr wahrnehmt, ist schon nicht mehr real, ist schon von den Fluten der Zeit aufgefressen worden. Alles, was Ihr wahrnehmt, ist nur ein bereits gestorbener Teil der Zeit. Nichts von dem, was Ihr jemals in eurem Leben wahrnehmen werdet, ist wirklich in diesem Moment noch real. 

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Wir wissen jetzt, dass wir nichts so sehen, wie es im Jetzt wirklich ist. Aber Dinge sind unterschiedlich weit von uns weg, das bedeutet, das Licht braucht unterschiedlich lange zu uns. Stellt euch vor, Ihr steht draußen auf einer Wiese. Ihr seid umgeben von Erde, Bäumen, Gras, Wolken und dahinter natürlich den Sternen. Das Licht von all diesen Dingen braucht unterschiedlich lange, um in euer Auge zu gelangen. Ihr seht die Bäume vielleicht so, wie sie vor zehn Nanosekunden aussahen, die Wolken wie sie vor einigen hundert Nanosekunden aussahen und die Sterne so wie sie vor Jahrhunderten und Jahrtausenden wirkten. 

Mehrere Vergangenheiten

Und dennoch ist in eurer Wahrnehmung all das gleichzeitig real. Das bedeutet, dass unsere komplette Wahrnehmung der Welt nicht nur in der Vergangenheit stattfindet, sondern, dass sie ein Mosaik aus mehreren Vergangenheiten ist. Was Ihr als das „Jetzt“ empfindet, ist in Wirklichkeit eine Schicht nach der anderen von Licht, das Eure Augen aus vielen verschiedenen Momenten der Vergangenheit erreicht. Euer „Jetzt“ ist ein sich überlappendes Mosaik von mehreren Vergangenheiten. 

Auge und Licht
Das Licht erreicht das Auge immer erst nach einer kleinen Dauer

Was du dir als die wirkliche Welt vorstellst, die gleichzeitig mit dir existiert, ist in Wirklichkeit ein Flickenteppich von Momenten aus verschiedenen Momenten der Zeit. Sozusagen eine Zeitmatrix aus verschiedenen Momenten, die im nächsten Moment schon wieder für immer verschwunden sind. Du lebst nie in der Welt, wie sie ist. Du erlebst sie nur so, wie sie war, ein Flickenteppich aus vergangenen Zeiten. 

Gibt es eine Realität?

Und wir stehen in der Mitte all dieser bereits vergangenen Momente, nehmen sie war und bilden daraus die Illusion unseres Lebens. Ich denke jetzt seit gestern darüber nach und je mehr ich das tue, desto unglaublicher kommt mir das vor. Man könnte darauf aufbauend die Frage stellen, ob es überhaupt wirklich eine Realität gibt. Denn, wenn alles, was wir erleben, bereits vorbei und tot ist, was ist denn dann die wirklich existente Gegenwart, also die Realität? 

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James Webbs kuriose Galaxien: Doch kein Urknall?

Darstellung von James-Webb-Teleskop vor dem Urknall

Hat das James-Webb-Teleskop den Urknall widerlegt? Das wird nun immer öfter behauptet und einige Entdeckungen könnten tatsächlich darauf hindeuten. 

Es ist vielleicht DIE größte kosmische Frage überhaupt: Wie hat eigentlich der Weltraum begonnen? Es ist doch so: Man schaut nachts in den Sternenhimmel und ist überwältigt davon, man fühlt sich ratlos und ist erstaunt darüber, dass diese wunderbare Welt existiert. Nur, wie kam das alles überhaupt? 

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Durch die Beobachtung fremder Galaxien und vor allem die Messung der Entfernung zwischen unserer Milchstraße und anderen, weit entfernten Galaxien konnte man sich in den letzten Jahrzehnten ein schlüssiges Bild von der Entwicklung des Kosmos machen, von der sogenannten Kosmologie. Hier ist der aktuelle Stand der Kenntnisse: Unser Universum ist ein mehrdimensionaler, mindestens vierdimensionaler Raum, der gefüllt ist mit hunderten Milliarden, vielleicht über einer Billionen Galaxien, die wiederum jeweils Milliarden Sterne und Planeten enthalten. Dieser Raum, gefüllt mit den Galaxien, expandiert. Der Kosmos  wird immer größer und die meisten Galaxien entfernen sich voneinander. Der Kosmos ist wie ein Rosinenkuchen. Man steckt den Teig mit den Rosinen in den Ofen. Aufgrund der Hefe backt der Kuchen auf, wird größer und währenddessen bewegen die Rosinen sich voneinander weg. Der Weltraum ist also der Teig, die Galaxien die Rosinen und die Hefe ist die ominöse Dunkle Energie und die Kraft des Urknalls. Und damit wären wir beim Thema, denn der Beginn dieser ganzen kosmologischen Entwicklung war nach der Ansicht der allermeisten Wissenschaftler der Urknall. 

James Webb Deepfield
Jede Menge Galaxien: Das Deep Field von James Webb

Als die Singularität zu wachsen begann

Grob gesagt, war die gesamte Materie und Energie des Kosmos, alles was es gibt, in einer winzigen Singularität, also einem Punkt ohne Ausdehnung zusammengequetscht. Ihr wart irgendwie also schon dabei. Neben und vor dieser Ursingularität war nach dieser allgemein anerkannten Theorie nichts. Plötzlich begann die Singularität zu wachsen und zu wachsen. Anfangs war der Kosmos winzig klein wie ein Staubkorn, dann wie ein Fußball und dann immer größer bis heute. 

Die Energie des Urknalls wirkt immer noch nach und wird ergänzt durch die Dunkle Energie, die dafür sorgt, dass der Kosmos nicht langsamer wächst oder gar schrumpft, sondern dass er immer schneller immer größer wird. Sozusagen eine Art Super-Hefe. Dieses Anfangsereignis kann man ziemlich genau auf einen Zeitpunkt von vor 13,8 Milliarden Jahren zurück rechnen. So weit, so gut, ist ja eigentlich alles geklärt. 

Die älteste Galaxie des Kosmos

Leider ist es doch nicht so unkompliziert. Denn jetzt kommt das James-Webb-Teleskop ins Spiel. Dieses revolutionäre Weltraumteleskop versorgt uns seit einigen Wochen mit fantastischen Bildern des Kosmos und hat wohl schon die Rekorde früherer Weltraumteleskope wie Hubble gebrochen und direkt mehrere Kandidaten für die älteste Galaxie des Kosmos aufgespürt. Und diese Galaxien sind gelinde gesagt… seltsam. Einige von ihnen sehen wir so, wie sie nur 200 bis 300 Millionen Jahre nach dem Urknall aussahen. Zur Erinnerung: Der Urknall geschah vor fast 14 Milliarden Jahren, diese Galaxien waren schon wenige 100 Millionen Jahre danach da. Jetzt könnte man ja sagen: Ok, kein Problem, auch Galaxien müssen ja mal klein anfangen… Grundsätzlich ja, aber diese Galaxien sind voll ausgebildet. Sie sind so leuchtstark wie unsere Milchstraße, besitzen hunderte Milliarden Sterne und eine Masse, die mit ausgewachsenen Galaxien mithalten kann. Das bedeutet wahrscheinlich, dass sie in ihrem Zentrum auch schon schwere supermassive Schwarze Löcher haben. Einfacher gesagt: Es handelt sich nicht um kosmische Babies, sondern um ausgewachsene, fertige Galaxien. Und das so kurz nach dem Urknall. 

Symbolbild für James-Webb-Teleskop
Das James-Webb-Teleskop liefert bahnbrechende Erkenntnisse

Der durchschnittliche Stern existiert zehn Milliarden Jahre lang. Wenige 100 Millionen Jahre sind für Sterne also wirklich noch Kindesalter. Die Tatsache, dass James Webb Galaxien entdeckt hat, die schon so erwachsen sind, ist zumindest sehr kurios. Und hat in der astronomischen Szene zu einiger Unruhe geführt. 

Das Problem mit den Zitaten des Eric Lerner

Seit einigen Tagen geistern sogar vermeintliche Zitate von Kosmologen durch die Medien, in denen behauptet wird, James Webb hätte den Urknall widerlegt. Die Hintergrundstory ist ein wenig kurios, denn diese Zitate wurden vom amerikanischen Populärwissenschaftler Eric Lerner in die Welt gesetzt, der schon seit langer Zeit gegen den Urknall argumentiert. Das Problem ist nur, dass die von Lerner zitierten Kosmologen bestreiten, diese Dinge jemals in diesem Zusammenhang behauptet zu haben. Zum Beispiel hat Eric Lerner in einem viel geteilten Artikel die Astronomin Allison Kirkpatrick mit den Worten zitiert: “Im Moment liege ich nachts um drei Uhr wach und frage mich, ob alles, was ich getan habe, falsch war.” Und behauptet, dass sie damit den Urknall anzweifeln würde. Allerdings ist die Aussage komplett aus dem Zusammenhang gerissen und Allison Kirkpatrick hat nun sogar ihren Twitternamen in Allison the Big Bang happened Kirkpatrick geändert, um zu zeigen, dass sie fehlerhaft zitiert wurde. 

Allison Kirkpatrick hat sich noch etwas ausführlicher zu der Sache geäußert und zwar wie folgt: “Wir als Wissenschaftler haben die Verantwortung, die Öffentlichkeit aufzuklären, und ich nehme diese Verantwortung sehr ernst. Wenn man die Öffentlichkeit absichtlich in die Irre führt, wird es für sie schwierig, echten Wissenschaftlern zu vertrauen und Fakten von Fiktion zu unterscheiden.”

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Starke Beweise für Urknall bleiben bestehen

Die Situation ist ein wenig undurchschaubar. So oder so existiert aber gerade jede Menge Unruhe über die Funde von James Webb. Und eine wirkliche Erklärung gibt es für die rätselhaften Entdeckungen noch nicht. Aber – und das ist ein großes aber – das bedeutet nicht, dass die Urknalltheorie widerlegt sei. All die Hinweise, die auf ein Ereignis wie den Urknall hindeuten, sind noch da. Die Expansion des Universums, die kosmische Hintergrundstrahlung, die uns beweist, dass der Weltraum einst viel kleiner war und der Umstand, dass es eine gewisse Raum- und Zeitgrenze des Universums zu geben scheint, hinter die wir schlicht nicht schauen können. 

All diese Fragmente sind starke Anhaltspunkte dafür, dass das Universum in einem singulären Ereignis begonnen hat. Und die Mehrheit der Kosmologen hält trotz der James-Webb-Funde weiterhin am Urknall fest. Die kuriosen Galaxien, die James Webb gefunden hat, deuten womöglich “nur” darauf hin, dass wir vielleicht beim Alter des Universums falsch liegen.

Vielleicht hatten diese Galaxien doch mehr Zeit, um sich zu entwickeln und unsere Altersschätzung von 13,8 Milliarden Jahren ist falsch. Aber das bedeutet doch nicht, dass es keinen Anfangspunkt gab. Gegner der Urknalltheorie müssen sich letztlich auch die Frage gefallen lassen, wie der Weltraum denn dann begonnen hat. Die Expansion des Kosmos zeigt uns eindeutig, dass der Weltraum eine Entwicklung durchläuft. Was war der Anfang dieser Entwicklung, wenn man den Urknall ablehnt? 

Also: Die James-Webb-Entdeckungen sind revolutionär und sicherlich rütteln sie an unseren bisherigen kosmologischen Thesen über das Alter des Universums. Aber am Urknall selbst? Wohl eher nicht. 

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Ist die Schwerkraft schneller als das Licht? 

Das Verhältnis von Schwerkraft und Licht

Nichts ist schneller als das Licht. Oder doch? Könnte es sein, dass die Schwerkraft schneller als das Licht ist? Und wir alle einsteinschen Naturgesetze über den Haufen werfen müssen? 

Wer genauer über die Schwerkraft nachdenkt, wird schnell verwirrt. Was ist Schwerkraft überhaupt? Der Nachweis eines Schwerkraftteilchens ist nach wie vor nicht gelungen und die Erklärung der Ursache dieser Kraft ist eines der größten Rätsel der Physik. Aber unabhängig davon, wie und ob die Gravitation quantenphysikalisch zu erklären ist, ist sie jedenfalls da. 

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Jeder beeinflusst die Raumzeit

Einer der verwirrendsten Aspekte der Gravitation ist, dass sie sofort, also instantan zu wirken scheint. Oder reist die Schwerkraft der Sonne, die die Erde festhält, etwa auch mit der Geschwindigkeit des Lichts zu uns? Um dieses Rätsel zu lösen, müssen wir etwas tiefer in die einsteinsche Physik eintauchen. Albert Einstein fand in seiner allgemeinen Relativitätstheorie heraus, dass Raum und Zeit untrennbar zusammengehören. Gemeinsam bilden sie die Raumzeit. Und Schwerkraft beeinflusst diese Raumzeit. Je schwerer ein Objekt ist, desto mehr wird die Raumzeit, die wir uns der Einfachheit wie eine Art Gitternetz vorstellen können, gekrümmt. Auch Ihr beeinflusst gerade durch euer Gewicht die Raumzeit.

Diagramm der Raumzeit

Eine weitere wichtige Erkenntnis Einsteins war, dass es eine maximale Geschwindigkeit im Kosmos gibt, diese bezeichnet man als Geschwindigkeit C. Die Relativitätstheorie besagt, dass sich die Geschwindigkeit von Licht, das sich durch ein Vakuum bewegt, nie verändert. Mit gerundet 300.000 Kilometern pro Sekunde hat Licht die höchste erreichbare Geschwindigkeit im Universum. Und das gilt übrigens nicht nur für Licht, auch wenn man landläufig immer von Lichtgeschwindigkeit spricht, sondern auch für alle anderen elektromagnetischen Wellen. 

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Warum nichts schneller als das Licht ist

Woraus ergibt sich diese maximale Geschwindigkeit? Ein Raumschiff, das durch den Kosmos fliegt, bewegt sich durch Raum und Zeit. Je schneller es sich durch den Raum bewegt, desto langsamer vergeht die Zeit. Ihr erinnert euch an das Konzept der Raumzeit. Jetzt stellen wir uns ein Photon vor, ein Lichtteilchen. Das bewegt sich natürlich wesentlich schneller als ein Raumschiff, nämlich mit der maximalen Geschwindigkeit C. Diese Geschwindigkeit hat einen derart massiven Einfluss auf die Raumzeit, dass die Zeitkomponente komplett entfällt. Die Zeit wird so sehr verlangsamt, dass sie stillsteht – für das Licht existiert so gesehen keine Zeit. Und das stellt die maximale Ausreizung der Beziehung zwischen Raum und Zeit dar. Mehr als das Wegfallen der Zeitkomponente geht nicht und deswegen ist an diesem Geschwindigkeitspunkt die maximale Geschwindigkeit erreicht.

Das Licht von der Sonne braucht zu uns 8 Minuten – die Schwerkraft auch?

Warum ausgerechnet bei dieser Geschwindigkeit? Im Prinzip ist das die philosophische Frage, weshalb die Naturgesetze genau so sind wie sie sind. Es ist der Programmiercode unserer Realität. Wie die Gesetze der Matrix, die uns vorgeschrieben sind. Aber zurück zur Schwerkraft. Wie verhält sich die Gravitation in diesem Zusammenspiel von Geschwindigkeit, Raum und Zeit? 

Isaac Newton: Schwerkraft existiert ohne Zeit

Isaac Newton, der Entdecker der Schwerkraft, dem der Legende nach ein Apfel auf den Kopf gefallen sein soll, glaubte, dass sich diese Kraftwirkung ganz ohne zeitliche Verzögerung ausbreitet. Albert Einstein sagte in seiner Relativitätstheorie hingegen voraus, dass Gravitation sich ebenfalls nur mit Lichtgeschwindigkeit bewegen könne. Was stimmt denn nun? Wirkt denn nicht die Schwerkraft der Sonne sofort auf uns? Würde die Sonne nun verschwinden, wäre ihre Schwerkraft dann sofort weg oder würde es rund acht Minuten dauern, bis wir es bemerken? Das ist die Zeit, die auch das Licht von der Sonne bis zur Erde benötigt. 

Der Entdecker der Schwerkraft: Isaac Newton

Ein Forscherteam der University of Columbia hat vor Jahren ein cleveres Experiment gestartet, um diese Frage ein für alle mal zu klären und dabei half ihnen das Planetenschwergewicht unseres Sonnensystems, der Jupiter. Der Jupiter ist doppelt so schwer wie alle anderen Planeten des Sonnensystems zusammen, er bringt ordentlich was auf die Waage. Und so sah das Experiment der Forscher aus: Während der Jupiter durchs Blickfeld zog, beobachteten die Forscher mit mehreren kombinierten Teleskopen das Licht eines Quasars, also dem aktiven, energiereichen Zentrum einer weit entfernten Galaxie. Die von Jupiter ausgehende Gravitationskraft lenkte das Licht dieses Quasars minimal ab. Sie nutzten den Jupiter also als eine Gravitationslinse. Daraus konnten die Wissenschaftler die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Schwerkraft berechnen. Eine ebenso einfache wie geniale Methode. 

Schwerkraft ist so schnell wie das Licht

Und das Ergebnis: Die Schwerkraft wirkt nicht instantan, sie breitet sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. Dies wurde später auch durch die ersten Messungen von Gravitationswellen bestätigt. Gravitationswellen bezeichnen eine Art Vibrieren der Raumzeit, wenn zwei massereiche Objekte kollidieren. Wenn beispielsweise zwei Schwarze Löcher verschmelzen, beginnt das Gitternetz der Raumzeit zu wackeln und dieses Wackeln wurde erstmals im September 2015 von Wissenschaftlern der LIGO-Kollaboration erfolgreich nachgewiesen, nachdem Albert Einstein es schon knapp 100 Jahre zuvor vorausgesagt hatte. Gravitationswellen sind nur möglich, wenn die Schwerkraft sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Nach der newtonschen Physik, der bis dahin noch einige Wissenschaftler anhingen, wäre eine solche Welle nicht denkbar, denn die Schwerkraftwirkung würde die Erde ja sofort erreichen. 

Entstehung von Gravitationswellen

Also lange Rede, kurzer Sinn: Gravitation bewegt sich ebenso schnell wie das Licht, obwohl dies lange umstritten war, kann es nun als bewiesen betrachtet werden. Ein paar Folgefragen stellen sich da aber trotzdem noch, zum Beispiel: Wenn das so ist, weshalb kann dann Licht ein Schwarzes Loch nicht verlassen, Gravitation aber schon? Diese Vorstellung beruht auf einer falschen Vorstellung eines Schwarzen Lochs. Das Schwarze Loch sendet keine Gravitation aus seinem Inneren aus, sondern das Schwarze Loch ist selbst das Gravitationsfeld. Anders gesagt: Gravitation muss das Schwarze Loch gar nicht erst verlassen, das Schwarze Loch an sich ist ein eingefrorenes Gravitationsfeld. Gravitation kann statisch sein. Gravitationswellen sind so schnell wie Licht.

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Leben wir in einem Schwarzen Loch?

Schwarzes Loch

Befindet sich unser Universum in einem Schwarzen Loch? Dafür gibt es neue Hinweise. Was es damit auf sich hat, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Wir könnten in einem Schwarzen Loch leben – und auch wenn Ihr jetzt denkt, dass ich vielleicht übergeschnappt bin: Ich bin mir sicher, dass ich euch gute Argumente dafür liefern kann. Starten wir mit einer Idee von Stephen Hawking. Hawking hielt es für möglich, dass jedes Mal, wenn in unserem Universum ein Schwarzes Loch erzeugt wird, ein „Baby-Universum“ entstehen könnte, das nur für einen Beobachter zugänglich ist, der sich innerhalb des Ereignishorizonts des Schwarzen Lochs befindet. Was für ein faszinierender Gedanke: Stellt euch mal vor, Ihr würdet von der Gravitation eines Schwarzen Loches erfasst, übertretet den Ereignishorizont und vielleicht erwartet euch dann nicht der Tod sondern ein gänzlich neues, aufregendes Universum. 

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Wenn man diese Idee von Stephen Hawking weiterspinnt, dann liegt der Gedanke nahe, dass auch unser Universum sich in einem Schwarzen Loch befinden könnte. Der Astrophysiker Ethan Siegel hat sich damit beschäftigt und viele Indizien zusammengetragen, die diese Theorie wahrscheinlich erscheinen lassen: “Könnte unser Universum tatsächlich von einem schwarzen Loch hervorgebracht worden sein, das in einer Art großem „Mutteruniversum“ entstanden ist, und gebären wir jedes Mal ein neues Universum, wenn ein neues schwarzes Loch entsteht? Das ist eine faszinierende Idee, die es wert ist, erforscht zu werden.”

Was ist ein Schwarzes Loch?

Dazu erstmal ein paar Grundlagen: Ein Schwarzes Loch ist ein Objekt, das verdichtet ist und so viel Schwerkraft besitzt, dass in einem gewissen Bereich selbst das Licht nicht mehr entkommen kann. Die Grenze dieses lichtverschluckenden Bereiches nennt man Ereignishorizont. Je schwerer das Schwarze Loch ist, desto weiter verschiebt sich der Ereignishorizont nach außen. Was hinter diesem Ereignishorizont geschieht, wissen wir nicht, denn, wenn dort selbst Licht nicht mehr herausdringt, dann kommen gar keine Informationen mehr heraus. Das bietet also jede Menge Raum für Spekulationen. 

Darstellung eines Schwarzen Lochs

Unser Universum ist ein mehrdimensionaler Raum, der permanent expandiert. Er expandiert zwar mit Überlichtgeschwindigkeit, so dass wir das Ende des Kosmos nicht erreichen können, aber entgegen weit verbreiteter Ansicht gibt es ein Ende – auch wenn es vermutlich nicht einfach eine Wand sein dürfte wie im Film die Truman Show. Oder vielleicht doch? Was wäre, wenn die Grenze unseres Universums der Ereignishorizont eines Schwarzen Lochs wäre, das sich in einem noch größeren Mutteruniversum befindet?

Größe des Ereignishorizontes = Größe des Universums?

Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise, hat schon Carl Sagan gesagt. Deswegen kommen hier nun einige Indizien, die eure Meinung ändern werden. Es gibt Schätzungen darüber, welches Gesamtgewicht das Universum wohl ungefähr haben müsste. Wenn man die Masse und Energie aller im sichtbaren Universum enthaltenen Teilchen zusammenzählt, kann man sich die Frage stellen: „Wie groß wäre der Ereignishorizont eines Schwarzen Lochs mit dieser Masse?“ Und das Ergebnis: Der Ereignishorizont eines Schwarzen Lochs mit der Masse unseres Universums wäre ungefähr so groß wie die Ausmaße des beobachtbaren Universums. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das ein Zufall ist? 

Vielleicht wehren sich einige von euch immer noch und sagen: Das Universum ist viel zu groß, das kann nicht in einem Schwarzen Loch zusammengequetscht sein… oder?!

Befinden wir uns in einer Singularität?

Dröseln wir das mal auf. Was würde das bedeuten, wenn unser Schwarzes Loch im Zentrum eines Schwarzen Loches wäre. Das würde in der Tat bedeuten, dass es komplett zusammengequetscht wäre – um es mal sehr wissenschaftlich zu formulieren. Denn das Schwarze Loch selbst ist ein stark verdichteter, kleiner Punkt, eine Singularität, eine Masseansammlung ohne Ausdehnung. Je mehr das Schwarze Loch verschluckt, desto schwerer wird die Singularität – aber nicht größer, denn die besondere Eigenheit einer Singularität ist ja gerade, dass sie immer unfassbar klein bleibt und eine so winzige Ausdehnung besitzt, dass man sie nicht mit irgendeiner Größenangabe beschreiben könnte. Dieses Konzept der Singularität bereitet den Physikern schon lange Kopfzerbrechen. Denn ein unfassbar verdichteter Punkt ohne Ausdehnung steht ein bisschen auf Kriegsfuß mit den Gesetzen der Physik. 

Selbst Albert Einstein hat oft versucht, um das Ergebnis herumzukommen, dass Schwarze Löcher und Singularitäten existieren könnten – obwohl seine entdeckten einsteinschen Gesetze die Existenz von Schwarzen Löchern und damit auch Singularitäten voraussagten. Es ist unglaublich, dass er es selbst nicht wahrhaben wollte. Lange Rede, kurzer Sinn: Da wir keine Ahnung haben, welche bizarren Gesetze das Wesen der Singularität bestimmen, könnte es möglich sein, dass wir uns innerhalb einer solchen Singularität befinden und es nicht wissen. 

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Die Expansion des Kosmos durch Dunkle Energie

Die passende Größe des Ereignishorizonts eines potentiellen Schwarzen Loches und die des beobachtbaren Universums sind ein starkes Indiz. Ein weiteres könnte die Expansion unseres Kosmos sein. Seit der Entstehung des Universums, nach weit verbreiteter Meinung im sogenannten Urknall, vor etwa 13,8 Milliarden Jahren wächst das Universum. Und begonnen hat es nach der Urknalltheorie in einer Singularität. Wie ein Schwarzes Loch. 

Der sichtbare Kosmos

Doch mysteriöserweise schwächt sich die Expansion nicht ab je länger der Urknall her ist – was ja zu erwarten wäre – sondern sie nimmt immer weiter zu. Warum ist unerklärlich und Physiker haben das Konzept der Dunklen Energie entwickelt. Dunkle Energie bringt den Kosmos scheinbar zum schnelleren Wachsen, aber niemand weiß, was Dunkle Energie ist. Wie wär’s damit: Dunkle Energie ist eine Interaktion unseres Kosmos mit dem Bereich außerhalb des Schwarzen Lochs, eine Interaktion mit dem Mutteruniversum. Vielleicht befindet sich das Schwarze Loch, in dem wir uns befinden, seit Anbeginn der Kosmologie in der Wachstumsphase, weil es weitere Materie verschluckt. Dadurch wird es schwerer und der Ereignishorizont, also die Grenze des beobachtbaren Universums, verschiebt sich nach außen. Ich weiß, es klingt fast zu nachvollziehbar, um wahr zu sein. 

Das Nichtvorhandensein Weißer Löcher

Und noch ein drittes Argument: Die Abwesenheit der Weißen Löcher. Klingt wie eine Fortsetzung zu Das Schweigen der Lämmer, meint aber einfach den Umstand, dass wir noch nie ein Weißes Loch in “freier Wildbahn” irgendwo im Kosmos entdeckt haben. Weiße Löcher sind das theoretische Gegenteil Schwarzer Löcher. Den Ereignishorizonts eines Schwarzen Loches kann man nicht mehr von innen nach außen überschreiten, man ist im Schwarzen Loch gefangen. Den Ereignishorizont eines Weißen Lochs kann man nicht von außen nach innen überschreiten, ihr kommt nicht rein. Man könnte also sagen, dass Schwarze Löcher Materie verschlucken, Weiße Löcher spucken sie wieder aus. Und die Verbindung zwischen einem Schwarzen Loch und einem Weißen Loch könnte eine Einstein-Rosen-Brücke sein, besser bekannt unter dem Begriff Wurmloch. 

So könnte es in einer Einstein-Rosen-Brücke aussehen

Und jetzt das Mysteriöse: Weiße Löcher sind nach Albert Einsteins Relativitätstheorie denkbar. Und bisher hat man eigentlich irgendwann noch alles entdeckt, was laut Einsteins Theorien denkbar ist – Weiße Löcher aber noch nicht. Vielleicht ja aus folgendem Grund: Unser Universum ist durch eine Einstein-Rosen-Brücke mit dem Mutteruniversum verknüpft. Und deswegen haben wir noch ein Weißes Loch gefunden, weil uns der Blick in das Mutteruniversum, jenseits unseres Ereignishorizonts nicht möglich ist. Und genau so gut könnte es sein, dass jedes Schwarze Loch in unserem Universum euch in einem Tochteruniversum aus einem Weißen Loch ausspucken würde. Schwarze Löcher als Eingang in ein Wurmloch, dessen Ausgang ein Weißes Loch in einem anderen Universum sind. 

Das waren nun einige Argumente für die Hypothese, aber man muss natürlich auch festhalten, dass es keine Beweise sind. Ethan Siegel schreibt: “Was leider fehlt, ist der entscheidende Schritt einer eindeutig identifizierbaren Signatur. Wir wissen nicht, ob unser Universum durch die Entstehung eines schwarzen Lochs entstanden ist, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es eine verlockende Möglichkeit, die wir nicht ausschließen sollten.” 

Ich finde die Indizien relativ stark, aber denke mir auch, dass die Schwarze-Loch-Hypothese einen großen Nachteil hat: Sie verlagert die Frage nach dem Ursprung unseres Kosmos wieder nur auf eine andere Ebene. Wir wüssten dann zwar, dass unser Universum innerhalb eines Schwarzen Lochs entstanden ist – aber wie ist das Mutteruniversum entstanden? Auch so? Aber was war dann der Anfang von allem?! Und schon stehen wir wieder vor der größten Frage von allen und sind nicht wirklich weiter gekommen. 

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Mit dem Universum stimmt was nicht

Expansion des Universums

Astrophysiker sind angesichts neuer Daten absolut ratlos: Irgendwas stimmt mit dem Universum nicht. Müssen wir unsere Annahmen über die Physik über den Haufen werfen? 

Irgendwas stimmt mit dem Universum nicht. Den Eindruck könnte man derzeit auch jedes Mal bekommen, wenn man sich die Nachrichten ansieht. Aber darum geht es heute nicht, es geht um die Kosmologie. Neue Daten des Hubble Teleskops zeigen: Unser Verständnis des Universums passt hinten und vorne nicht zusammen. 

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Alles begann mit dem Urknall

Um das zu verstehen, gibt es zunächst ein paar grundsätzliche Fakten über das, was wir glauben, über die Kosmologie zu wissen. Das Universum begann nach herrschender Ansicht vor etwa 13,8 Milliarden Jahren mit dem Urknall. Alles, was es gibt, alles woraus Planeten bestehen, Sterne bestehen, alles woraus Ihr besteht, war in einem kleinen winzigen Punkt, einer sogenannten Singularität, zusammengequetscht. Zumindest die Grundlage dafür. Und aus ominösen Gründen begann diese Singularität plötzlich zu expandieren. Das Universum hat sich im Urknall selbst geboren. Am Anfang war es so klein wie eine Erbse, dann wie ein Keks und dann immer größer und größer.

Dunkle Energie treibt Expansion des Universums voran

Seitdem expandiert das Universum. Ob sich diese Expansion irgendwann mal abschwächen wird? Immerhin ist der Urknall fast 14 Milliarden Jahre her. Aber tatsächlich beschleunigt sich die Expansion des Universums – die Galaxien bewegen sich mit einer immer schnelleren Geschwindigkeit voneinander weg. Das ist unerklärlich und deswegen haben die Astrophysiker das Konzept der Dunklen Energie entwickelt. Es muss eine rätselhafte Kraft geben, die die Beschleunigung der Expansion antreibt. Was Dunkle Energie aber ist, weiß kein Mensch. Aber es muss sie in der ein oder anderen Form geben, ansonsten würde das Universum nicht immer schneller wachsen. 

Was bezeichnet die Hubble-Konstante?

So weit, so gut, das ist ganz grob zusammengefasst der aktuelle Stand der Kosmologie (in absoluter Kurzform natürlich). Der Vater der Kosmologie ist Edwin Hubble, der berühmteste amerikanische Astronom, der im frühen 20. Jahrhundert entdeckte, dass sich die meisten Galaxien voneinander weg bewegen. Nach ihm sind zwei Dinge benannt, die für diesen Beitrag wichtig sind: Die Hubble-Konstante und das Hubble-Weltraumteleskop. Die Hubble-Konstante bezeichnet die aktuelle Rate der Expansion des Universums. Da die Beschleunigung der Expansion sich verändert, braucht man diese Konstante und kann sie nicht einfach mit einer Zahl angeben wie z.B. 80 km/h oder so.

Edwin Hubble am Teleskop

Das Hubble-Teleskop war lange das beste Weltraumteleskop, das die Menschheit hatte – und es ist immer noch im Einsatz, obwohl jetzt bald das neue James-Webb-Teleskop seinen normalen Betrieb aufnehmen wird. Durch das Hubble-Teleskop haben wir viel über die Expansionsrate des Kosmos und die Position einzelner Galaxien gelernt, so dass man die Hubble-Konstante immer weiter präzisieren konnte. 

Auswertung der Hubble-Daten zeigt: Da stimmt was nicht

Aber jetzt kommt’s: Ein Forscherteam hat in mühsamer Arbeit nun Daten des Hubble-Teleskops ausgewertet, die seit über 30 Jahren erhoben wurden. Und diese Auswertung von Daten hat ergeben: Alles, was wir über die Expansion des Kosmos zu wissen glauben, passt nicht zusammen. Irgendwas kann nicht stimmen oder wir haben ein essentielles Detail noch nicht gefunden. Zwischen der Expansionsrate des Universums aktuell und der Expansionsrate des frühen Universums kurz nach dem Urknall gibt es eine Diskrepanz, die sich weder mit Theorien über die Dunkle Energie noch mit dem aktuellen Wissen über die Hubble-Konstante erklären lassen. Keine unserer vorhandenen kosmologischen Theorien können ansatzweise erklären, weshalb die Daten des Hubble-Teleskops diesen Unterschied zwischen den Expansionsgeschwindigkeiten des Universums in seinen jeweiligen Entwicklungsstufen ausgespuckt haben. 

Die von Hubble untersuchten Galaxien

Bei solchen Erkenntnissen, die das Verständnis der Astrophysik grundsätzlich durcheinander bringen, fragt man normalerweise immer zuerst: Das war doch bestimmt ein Messfehler, oder?! Aber in diesem Fall lässt sich das ausschließen. Angesichts der großen Hubble-Stichprobe besteht nur eine Chance von eins zu einer Million, dass sich die Astronomen aufgrund eines Messfehlers irren. Das Forscherteam hat über 40 Supernova-Explosionen ausgewertet, die über den gesamten Zeitraum von Hubbles Mission stattgefunden haben. Supernovae, die Explosion von Sternen am Ende ihrer Lebensspanne, eignen sich perfekt für Entfernungsbestimmungen im Weltraum. Der Leiter des Forschungsteams, Nobelpreisträger Adam Riess vom Space Telescope Science Institute sagt: “Wir haben eine vollständige Stichprobe aller Supernovae, die das Hubble-Teleskop in den letzten Jahrzehnten gesehen hat. Wir erhalten die präziseste Messung der Expansionsrate des Universums durch den Goldstandard der Teleskope.”

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Unbekannter Faktor sorgt für Diskrepanz

Wie hoch ist die Diskrepanz genau? Den Ergebnissen von Professor Riess zufolge liegen die Hubble-Messungen für die Expansion des Kosmos im nahen Bereich bei etwa 73 Kilometern pro Megaparsec. Berücksichtigt man jedoch die Beobachtungen des tiefen, frühen Universums, verlangsamt sich die Rate auf etwa 67,5 Kilometer pro Megaparsec. Megaparsec sind eine astronomische Längeneinheit für wirklich wirklich große Maßstäbe. Jetzt ist natürlich die Frage, wie diese erhebliche Diskrepanz zu erklären ist? Und warum selbst diese größte Auswertung von Hubble-Daten hinsichtlich der Expansionsrate keine Klarheit bezüglich der Hubble-Konstante gebracht hat. 

Im Prinzip bedeutet das, dass es einen gigantischen kosmologischen Faktor gibt, den wir einfach nicht kennen. Irgendein Faktor der Physik, der für diese extrem unterschiedlichen Ausbreitungsraten im lokalen und im frühen Universum sorgt, ist uns noch absolut unbekannt. Interessanterweise sieht Professor Riess das ganze locker. Er sagt: “Es ist am besten, die Expansionsrate nicht nach ihrem genauen Wert hinsichtlich der Zeit zu betrachten, sondern nach ihren Auswirkungen. Es ist mir egal, wie hoch der Expansionswert genau ist, aber ich möchte ihn nutzen, um etwas über das Universum zu lernen.”

Bringt James Webb die Auflösung?

Das neue James-Webb-Teleskop wird den Kosmos in noch nie dagewesener Genauigkeit untersuchen können. Es wird wie Hubble Entfernungsmessungen anhand von Supernovae und sogenannten Cepheiden vornehmen. Das sind Sterne, bei denen es extremst periodische Schwankungen in ihrer Helligkeit gibt. Anhand der Beziehung zwischen Leuchtkraft und Periodendauer dieser Sterne kann man sie zur Entfernungsmessung verwenden. James Webb wird uns vermutlich eine Antwort auf das Hubble-Paradoxon liefern und damit unser Verständnis des Kosmos revolutionieren. 

Cepheiden Periode

Ihr wollt mehr über dieses Thema erfahren? Dann schaut direkt mal in das Video von Astro Tim rein:

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Superlativ im All: Gigantische Galaxie entdeckt

Astronomen haben ein Galaxienmonster entdeckt. Die Sterneninsel Alcyoneus ist die gigantischste jemals entdeckte Galaxie im gesamten Kosmos. 

16,3 Millionen Lichtjahre: Das ist die Ausdehnung der kürzlich entdeckten Riesengalaxie Alcyoneus. Diese neue Sterneninsel ist viel größer als unsere Milchstraße. Diese besitzt nämlich nur eine Ausdehnung von maximal 200.000 Lichtjahren. Die Ausdehnung von Alcyoneus ist damit also knapp 81 mal größer als die unserer Heimatgalaxis. 

Wird verarbeitet …
Erledigt! Sie sind auf der Liste.

Diese unvorstellbaren Ausmaße sind aber nicht die einzige Kuriosität, die Alcyoneus aufweist. Es handelt sich um eine Radiogalaxie. Der Grundaufbau von Radiogalaxien ist ähnlich wie der Aufbau „normaler“ Galaxien – wir haben eine große Ansammlung von Sternensystemen und im Zentrum befindet sich ein supermassives Schwarzes Loch. So ist auch unsere Milchstraße aufgebaut. Bei Radiogalaxien kommt es aber zu heftigen Energieausbrüchen aus dem Zentrum der Galaxie, die besonders gut im Radiobereich beobachtbar sind. Die Energieausbrüche entstehen durch Prozesse in der Nähe des supermassiven Schwarzen Lochs. Hier kann um das Schwarze Loch herum, in der sogenannten Akkretionsscheibe, so viel Energie entstehen, dass es zu heftigen Ausbrüchen kommt, so genannte Jets. 

Schwarzes Loch mit einem Jet

Es kann geschehen, dass Jets eine derart hohe Ausdehnung erreichen, dass sie aus der Galaxie herausragen und mit dem intergalaktischen Medium reagieren. Intergalaktisches Medium ist im Prinzip all das Zeug, was nicht in Galaxien ist, sondern außerhalb herum schwebt, vor allem Wasserstoff. Es ist zwar nicht viel, aber die geringe Menge an Wasserstoff außerhalb der Galaxien genügt, um eine Reaktion mit den ausgestoßenen Jets zu erzeugen. Und dadurch entstehen diese für Radiogalaxien typische Strukturen.

Ok, so weit, so einfach. Jetzt wird es aber etwas knifflig: Den Ausstoß von Energiestrahlung aus dem supermassiven Schwarzen Loch im Zentrum gibt es eigentlich bei fast jeder Galaxie. Und auch fast jede Galaxie bildet zumindest zaghafte Radioenergiestrahlung aus, sogar unsere Milchstraße. Die ungeklärte Frage ist jetzt: Warum nehmen diese Radioausbrüche bei einigen Galaxien wie bei Hercules A oder bei Alcyoneus so derart riesige Ausmaße an? Was unterscheidet diese Riesenradiogalaxien von normalen Galaxien? 

Radiogalaxie Hercules A

Dieses Geheimnis könnten wir durch die Entdeckung des galaktischen Giganten Alcyoneus klären. Der Astronom Martijn Oei vom Observatorium Leiden in den Niederlanden sagt: “Wenn es bestimmte großräumige Umgebungen gibt, die das Wachstum von Riesenradiogalaxien begünstigen, dann werden sich die größten Riesenradiogalaxien wahrscheinlich in diesen Umgebungen befinden.” 

Was verrät uns Alcyoneus über die Geheimnisse der Riesenradiogalaxien? 

Das Zentrum der Galaxie, aus dem die Radioausbrüche herausquellen, nennt man bei Radiogalaxien Wirtsgalaxie. Und die Wirtsgalaxie von Alcyoneus scheint relativ normal zu sein. Es handelt sich um eine ganz normale elliptische Galaxie, die etwa 240 Milliarden Mal so schwer ist wie die Sonne. Die Wirtsgalaxie von Alcyoneus ist also ein galaktisches Leichtgewicht. Die Forscher aus den Niederlanden schreiben dazu: “Abgesehen von der Geometrie sind Alcyoneus und seine Wirtsgalaxie verdächtig gewöhnlich: Die gesamte niederfrequente Leuchtdichte, die stellare Masse und die Masse des supermassiven Schwarzen Lochs sind alle niedriger als bei den mittleren Radiogalaxien, obwohl sie ähnlich sind”

Wie aber lassen sich die Radioausbrüche nun erklären? Im Zentrum von Alcyoneus befindet sich ein supermassereiches Schwarzes Loch, das etwa 400 Millionen Mal so schwer ist wie die Sonne. Und hier wird es interessant: Das ist im Vergleich zu anderen Radiogalaxien nicht besonders schwer, wie die Forscher festgestellt haben. Aber es ist viel schwerer als Sagittarius A*, das zentrale Schwarze Loch unserer Galaxis. Sagittarius A* wiegt nur knapp 4,3 Millionen mal so viel wie die Sonne. Wir haben mit Alcyoneus also eine Galaxie, die viel leichter ist als die Milchstraße und daher vermutlich insgesamt weniger Sterne beinhaltet, aber ein Schwarzes Loch besitzt, dass gemessen an dem Gewicht der Galaxie extremst gewaltig ist. 

Meine Idee ist: Diese Kombination aus leichter Galaxie und schwerem Schwarzen Loch ist die perfekte Voraussetzung für die heftigen Radio-Bommel, da die gewaltigen Energieausbrüche sehr schnell das Ende der kleinen Wirtsgalaxie und damit das intergalaktische Medium erreichen. In einer normal großen Galaxie mit einem nicht so schweren Schwarzen Loch entstehen hingegen viel weniger heftige Radioausbrüche, die sich auch schon abgeschwächt haben, wenn sie das intergalaktische Medium erreichen. Der Schlüssel zum Radiogigantismus von Alcyoneus könnte also die Kleinheit der Wirtsgalaxie gepaart mit dem überdurchschnittlichen Gewicht des zentralen Schwarzen Lochs sein. 

Das kosmische Netz und die Filamente

Eine andere Ursache oder vielleicht auch eine Mitursache könnte laut den Forschern die Position von Alcyoneus im kosmischen Netz sein. Stellt euch mal vor, Ihr wärt ein unfassbar großer Riese, der den gesamten Kosmos von außen sehen könnte. Dann würdet Ihr das hier sehen: Das kosmische Netz.

Das kosmische Netz

Jedenfalls sehen wir, dass der Kosmos durchzogen ist von helleren Linien, das sind die sogenannten Filamente und in denen ordnen sich die allermeisten Galaxien an. Auf irgendeinem dieser Filamanete sitzen gerade wir in unserer Galaxis – und zwischen den Filamenten befinden sich riesige Leerräume, sogenannte Voids. Da ist nicht besonders viel, einfach große gähnende Leere. Je nachdem, wo sich eine Galaxie befindet, also mitten in einer dichten Umgebung mit vielen Galaxien zentral im Filament oder vielleicht an der Schnittstelle zwischen Filamenten und Voids unterscheidet sich die Zusammensetzung des intergalaktischen Mediums. Es besitzt je nachdem eine höhere oder niedrigere Wasserstoffdichte. Und die Idee ist, dass Alcyoneus sich an einer Position des kosmischen Netz befindet, in der das intergalaktische Medium weniger dicht ist, so dass einer Expansion der Radioausbrüche weniger Widerstand gegenüber steht. Ich schätze, dass es eine Mischung aus all diesen Faktoren ist, die es Alcyoneus erlaubt haben, derart gigantische Ausmaße anzunehmen: Anzahl der Sterne, Gewicht des Schwarzen Loches und Position im kosmischen Netz. 

Die Galaxie IC 1101 im Vergleich

Einen Punkt müssen wir noch klären. IC 1101 ist doch eigentlich die größten Galaxie. Bei Galaxien kommt es immer darauf an, auf welche Größe man Bezug nimmt. Ausdehnung, Anzahl der Sterne oder Gewicht der Galaxie. Die Begriffe werden leider oft durcheinander geworfen. IC 1101 ist tatsächlich sehr groß, was all diese Werte angeht. Mit einer Ausdehnung von knapp zwei Millionen Lichtjahren ist IC 1101 gigantisch und besitzt eins der schwersten Schwarzen Löcher im bekannten Kosmos überhaupt. Und bei der Anzahl der Sternsysteme könnte IC 1101 mit unglaublichen 100 Billion tatsächlich auf Platz 1 liegen. Aber was die räumliche Ausdehnung an sich angeht, ist Alcyoneus mit seinen gigantischen Radiowülsten, die sich ja über 16 Millionen Lichtjahre erstrecken, unangefochten auf Platz 1. 

Die Größe der neuen Galaxie

Ihr wollt mehr über diese faszinierende Galaxie erfahren? Dann schaut mal in dieses Video rein:

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