Außerirdische: Werden wir sie in den nächsten Jahren entdecken?

Darstellung Alien vor der Milchstrasse

Wir stehen kurz davor, außerirdisches Leben zu entdecken. Das behauptet ein Schweizer Forscher und seine Argumentation ist ziemlich überzeugend.

Die Frage, ob es außerirdisches Leben gibt, beschäftigt die Menschheit schon seit sehr langer Zeit. Bereits im Jahre 1877 beobachtete der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli den Mars und fertigte eine Karte von Kanälen auf der Planetenoberfläche an, woraufhin eine Diskussion darüber ausbrach, ob wir die Bauwerke anderer Lebewesen sehen. 

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Die Mars-Karte von Schiaparelli
Schiaparellis Karte vom Mars (Meyers Konversationslexikon)

Heute weiß man, dass diese vermeintlichen Kanäle natürlichen geologischen Ursprungs sind. Aber die Geschichte zeigt, dass die Frage nach Leben auf anderen Himmelskörpern die Menschen schon lange umtreibt. Klären wir erst mal die Ausgangsposition. Wir leben auf einem Planeten in einem Sonnensystem, das schon direkt mehrere Kandidaten für Alien-Leben beherbergt. Vor allem die Monde der Gasriesen Jupiter und Saturn scheinen vielversprechende Kandidaten zu sein. Dieses Sonnensystem wiederum ist aber nur eines von mindestens 200 Milliarden in der Milchstraße. 200 Milliarden Sterne, vermutlich sogar mehr, und im Schnitt drehen sich um jeden davon ein paar Planeten. Wir müssen alleine in unserer Galaxis wohl mindestens mit 400 bis 500 Milliarden Planeten rechnen, hinzu kommen dann noch Monde, Zwergplaneten und größere Asteroiden und Kometen, auf denen sich ja theoretisch auch Leben bilden könnte. Aber da hört es noch nicht auf – unsere Galaxis, die Milchstraße, ist auch nur eine von 100 Milliarden Galaxien, es gibt sogar schon Schätzungen von über eine Billion Galaxien im Kosmos. Angesichts dieser schieren Größe ist es undenkbar, dass die Erde der einzige Planet mit Leben ist.

Darstellung eines Exoplaneten vor einem Stern
Exoplanet: Gibt es hier außerirdisches Leben?

In unserer Galaxis wimmelt es von Leben

Denn, wenn man noch mit Erwägung zieht, dass Leben ja auch anders aufgebaut sein könnte als hier, dann werden auch aus exotischen Planeten, etwa mit einer Methanatmosphäre oder Ozeanen aus für uns giftigen Materialien, potentiell bewohnte Welten. Also könnte man sagen: Es wimmelt in unserer Galaxis vor Leben. Ob dieses Leben nach unseren Maßstäben intelligent ist und zur Kommunikation oder sogar zu Weltraumreisen fähig wäre, das ist eine ganz andere Frage. 

Leben an sich mag nichts besonderes sein, aber, dass wir ein Bewusstsein entwickeln können und über den Kosmos philosophieren können – das ist schon nicht schlecht. Wie der berühmte Philosoph Carl Sagan gesagt hat: “Wir sind eine Möglichkeit für den Kosmos, sich selbst zu erkennen.” Jeder neue Mensch ist ein neuer Weg für den Kosmos, sich selbst zu erkennen. Jedenfalls haben wir von diesem außerirdischen Leben, das ja, nach allem, was wir jetzt gehört haben, sehr wahrscheinlich existiert, noch nichts gefunden. Es existieren natürlich jede Menge Aufnahmen von UFO-Sichtungen, aber ganz ehrlich, keine davon taugt als Beweis für Aliens. UFO heißt ja erst mal nur unbekanntes Flugobjekt und es gibt tatsächlich Aufnahmen, die nicht gefälscht sind und wirklich rätselhafte Dinge zeigen, doch ist die wesentlich naheliegendere Erklärung, dass es sich hier um Militärtechnologie handelt, von der wir Normalos einfach nichts wissen. 

Kurz davor Aliens zu finden

Die Erklärung wiederum, dass hier Aliens aus Lichtjahre entfernten Sternsystemen rumschwirren und uns trotz ihrer technologischen Überlegenheit mit schlechten Handykamers vor allem in ländlichen Gebieten der USA fotografieren lassen und ansonsten nichts tun, ist dann nicht so richtig überzeugend. Andere UFO-Sichtungen, die von vielen YouTube-Kanälen zum Beispiel auf diesem Bild des James-Webb-Teleskops behauptet werden, sind einfach Bildfehler oder kleinere Asteroiden und Kometen, die durchs Bild gehuscht sind. Gut, aber wir wollen ja jetzt wirklich Aliens entdecken und da kommt diese Vorhersage des schweizer Forschers Dr. Sascha Quanz von der Eidgenössischen Technischen Hochschule gerade richtig, denn er sagt, dass wir kurz davor sind, Alien-Leben zu finden. 

Meteorit

Auch außerirdisch: Der Eisenmeteorit

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Er setzt das zeitliche Limit bis zum Jahr 2047 – bis dahin sei seiner Meinung nach Alien-Leben entdeckt. Wenn er Recht hat, würden die meisten von uns das also noch mitbekommen. Er sagt: “1995 hat mein Kollege Didier Queloz den ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt. Heute sind mehr als 5.000 Exoplaneten bekannt, und wir entdecken täglich neue.” Die Anzahl der entdeckten Exoplaneten geht wirklich in einer exponentiellen Geschwindigkeit nach oben. Während in den Anfangsjahren jeder neu entdeckte Planet außerhalb des Sonnensystems eine Sensation war, kommen mittlerweile wirklich täglich News rein wie “Potentielle Exo-Erde in anderem System entdeckt” – sein Argument ist, dass alleine die Statistik gebietet, dass bei dieser zunehmenden Anzahl bald ein Planet dabei sein muss, auf dem wir Anzeichen von Leben aufspüren können. 

Annahme: Teleskop in Chile wird Außerirdische entdecken

Aber interessanterweise denkt er nicht, dass das James-Webb-Teleskop das schaffen wird. In der wissenschaftlichen Community existiert ein wenig Streit darüber, ob James Webb dazu in der Lage ist, kleinere erdähnliche Exoplaneten samt Atmosphärenstruktur ausfindig zu machen. Größere Gasplaneten sind kein Problem, aber da gibt es wohl eher kein Leben. Laut Sascha Quanz wird das Alien-Leben wohl eher mit Teleskopen auf der Erde entdeckt werden. Derzeit wird an einem leistungsstarken Spektrograph und einem kontrastreichen Imager für das Metis-Telekop gearbeitet, das wiederum mit seinem 39-Meter-Spiegel und hochempfindlichen Instrumenten den Grundstein für das „Extremly Large Teleskocope“, kurz ELT, in Chile bildet. Mit diesen Ergänzungen könnte das ELT in der Lage sein, die Atmosphäre von kleineren erdähnlichen Exoplaneten zu analysieren. Außerdem plant die eidgenössische technische Hochschule derzeit gemeinsam mit der ESA das Projekt Large Interferometer for Exoplanets, kurz Life, dessen einziger Zweck es sein soll, Missionen auf die Beine zu stellen, die Exoplanetenatmosphären analysieren soll. Ich empfehle euch übrigens, mal auf die Website des LIFE-Projekts zu gehen, dort kann man sehr schön die typischen Atmosphärenzusammensetzungen von bestimmten von Exoplaneten anschauen. 

Foto des Extremely Large Telescope (ELT) in Chile
Extremely Large Telescope (ELT) in Chile: Findet es bald Aliens?

Unsere technologischen Fortschritte machen also wirklich Hoffnung, dass die Entdeckung von außerirdischem Leben kurz bevor steht. Aber: Vermutlich ist das James-Webb-Teleskop sehr wohl in der Lage, solche Biosignaturen auf anderen Planeten zu entdecken. Es stimmt zwar: James Webb wurde nicht primär für die Suche nach Leben konzipiert, so dass das Teleskop nur die näher gelegenen potenziell bewohnbaren Welten unter die Lupe nehmen kann. Es kann auch nur Veränderungen der atmosphärischen Werte von Kohlendioxid, Methan und Wasserdampf feststellen. Bestimmte Kombinationen dieser Gase können aber auf Leben hindeuten, James Webb ist nur leider nicht in der Lage, das Vorhandensein von ungebundenem Sauerstoff zu erkennen, der das stärkste Signal für Leben wäre. Und bisher hat es nur Gas-Exoplaneten ins Visier genommen. Aber schon sehr bald soll es seine Augen auf den Planeten TRAPPIST-1e richten, einen möglicherweise bewohnbaren Planeten von der Größe der Erde, der nur 39 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Das TRAPPIST-1-System ist vielleicht der vielversprechendste Ort für außerirdisches Leben, den wir kennen. Es enthält sieben erdähnliche Exoplaneten und wenn James Webb hier genauer hinschaut, ist das vermutlich die größte Chance für die Entdeckung von außerirdischem Leben, die es in der Menschheitsgeschichte jemals gab. James Webb ist so leistungsstark, dass es vielleicht sogar Informationen nicht nur über die Atmosphäre von Exoplaneten, sondern sogar über deren Oberfläche gewinnen könnte. Auf der Erde zum Beispiel fangen das Chlorophyll und andere Pigmente, die Pflanzen und Algen für die Photosynthese verwenden, bestimmte Wellenlängen des Lichts ein. Diese Pigmente erzeugen charakteristische Farben, die vor allem mit Hilfe einer empfindlichen Infrarotkamera erkannt werden können. Wie es der Zufall so will, ist James Webb ein Infrarot-Weltraumteleskop. Würde man diese Farbe von der Oberfläche eines fernen Planeten reflektiert sehen, wäre dies ein möglicher Hinweis auf das Vorhandensein von Alien-Chlorophyll.

Ihr wollt mehr über dieses Thema erfahren? Dann schaut direkt mal in das Video von Astro-Tim rein:

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Riesige Blasen-Struktur umgibt unser Sonnensystem

Unser Sonnensystem befindet sich in einer gigantischen kosmischen Blase. Forscher fanden nun mehr über ihre spektakuläre Entstehung heraus.

Unser Sonnensystem ist Teil der Milchstraße. Wir sind eins von mehreren hundert Milliarden, nach einigen Schätzungen vielleicht sogar bis zu ein Billion, Sternsystemen in der Galaxis. Und wir befinden uns ganz am Rande der Milchstraße, sind also nur galaktische Randerscheinung – ganz im Gegensatz zur Selbsteinstufung vieler Menschen als Zentrum des Universums. 

Die Galaxie ist durchzogen vom interstellaren Medium, einer Mischung aus Staub, Gas und kosmischer Strahlung. An einigen stellen verdichtet sich das interstellare Medium zu gut sichtbaren Molekülwolken. Unser Sonnensystem befindet sich in einer Art Aussparung des interstellaren Mediums, in der sogenannten lokalen Blase. Sie wurde erst vor wenigen Jahrzehnten durch eine Kombination aus optischer, Radio- und Röntgenastronomie entdeckt und nach und nach fand man heraus, dass sie eine riesige Region darstellt, die etwa 10 Mal weniger dicht ist als das durchschnittliche interstellare Medium in der Milchstraße. Eine riesige Hülle, in der unser Sonnensystem drin ist – das klingt ein wenig nach einer anderen Struktur, die unser Sonnensystem umgibt: Die Heliosphäre.

Die Heliosphäre schützt uns vor der kosmischen Strahlung

Wo ist also der Unterschied zwischen der Lokalen Blase und der Heliosphäre? Die Heliosphäre ist ebenfalls eine Hülle um unser Sonnensystem herum, aber sie ist wesentlich kleiner. So klein, dass sogar schon von Menschen gebaute Objekte sie verlassen haben, namentlich die Voyager Sonden, die jenseits der Heliosphäre durch den interstellaren Raum düsen. Innerhalb der Heliosphäre verdrängt der Sonnenwind, also ein Partikelstrom, der von der Sonne ausgestoßen wird, das interstellare Medium nahezu komplett. Man könnte also sagen, dass die lokale Blase eine Enklave innerhalb des interstellaren Mediums ist und die Heliosphäre eine Enklave innerhalb der Lokalen Blase. In der Lokalen Blase ist das interstellare Medium weniger dicht, in der Heliosphäre ist es fast vollständig verdrängt. 

Einem Team von Forschern des Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics ist es nun gelungen, die Blase so genau zu kartographieren wie noch nie zuvor. Und sie fanden heraus, dass unsere Lokale Blase eng verbunden ist mit der heftigen Explosion von riesigen Sternen! Aber immer der Reihe nach. Es ist gar nicht so einfach etwas über eine Struktur herauszufinden, in der man drin ist. Man stelle sich nur mal vor, man wolle das eigene Haus vermessen, kann aber das Wohnzimmer nicht verlassen. Um dennoch etwas über die Lokale Blase in Erfahrung zu bringen, nutzten die Forscher Daten des Gaia-Weltraumteleskop – dieses Weltraumteleskop dient der Kartierung der Positionen und Bewegungen von Sternen in der Milchstraße mit der bislang mit Abstand höchsten Präzision. Sie erstellten anhand der GAIA-Daten eine Karte des Gases und der jungen Sterne im Umkreis von etwa 650 Lichtjahre um unser Sonnensystem herum. Das brachte schon mal eine interessante Erkenntnis: Sie fanden heraus, dass sich alle jungen Sterne, also Sterne, die erst ein paar hundert Millionen Jahre alt sind – was für Sterne noch jung und knackig ist – und alle Sternentstehungsgebiete an der „Oberfläche“ der lokalen Blase befinden. Die Erklärung dafür ist spektakulär: Innerhalb unserer Blase muss es einst jede Menge Supernova-Explosionen gegeben haben.

Die Lokale Blase entstand durch Supernova-Explosionen

Wenn sich eine Supernova nach außen ausdehnt, komprimiert sie das Material, in das sie expandiert und schiebt es verdichtet immer weiter nach draußen. Dadurch entstehen dichte Ansammlungen von molekularem Gas am Rand des Ausdehnungsgebiet, die im interstellaren Medium schweben und dann unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammenbrechen. Wenn dichte Gasnebel kollabieren, entstehen neue Baby-Sterne. Durch Supernova-Explosionen wurde das interstellare Medium also in bestimmte Bereiche zusammengequetscht, wodurch ein riesiger Leeraum entstanden ist, unsere lokale Blase. 

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Die Forscher konnten anhand der GAIA-Daten aber noch viel mehr Details über die Entstehung der Lokalen Blase zurückrechnen. Sie fanden heraus, dass die Geschichte der Blase vor etwa 14,4 Millionen Jahren begann, zunächst mit einer Periode der Sternentstehung, gefolgt von den Supernovae massereicher, kurzlebiger Sterne. 14,4 Millionen Jahren ist im kosmischen Maßstab gar nichts, quasi nur ein Augenblick. Zum Vergleich: Unsere Galaxis ist wohl schon über 10 Milliarden Jahre alt. Das Team hat errechnet, dass die Blase durch ungefähr 15 Supernova-Explosionen über diesen Zeitraum von 14,4 Millionen Jahren entstanden ist. Und die Blase dehnt sich immer noch nach außen aus, mit einer Geschwindigkeit von etwa 6,7 Kilometern pro Sekunde. 

Catherine Manea | astrobites
Durch Daten des GAIA-Teleskops gelang eine genaue Kartierung der Lokalen Blase

Bleibt noch eine große Frage: Warum ist unser Sonnensystem ausgerechnet im Zentrum der Lokale Blase? Antwort: Das ist ein reiner Zufall! Zu erklären ist das mit der Bewegung unseres Sonnensystems durch die Galaxis. Unser Sonnensystem rast um das Zentrum der Milchstraße mit einer Geschwindigkeit von 900.000 Kilometern pro Stunde. Wir benötigen 225 Millionen Jahre einmal um das Zentrum der Milchstraße herum, das bezeichnet man als ein galaktisches Jahr – und durch eben jene Bewegung ist unser Sonnensystem in die lokale Blase hineingeschlittert. Der Physiker und Astronom João Alves von der Universität Wien beschreibt es so:

“Als die ersten Supernovae, die die lokale Blase erzeugten, ausbrachen, war unsere Sonne weit vom Geschehen entfernt. Aber vor etwa fünf Millionen Jahren führte der Weg der Sonne durch die Galaxie genau in die Blase, und jetzt sitzt die Sonne – nur durch Zufall – fast genau im Zentrum der Blase.” 

João Alves

Überall in der Galaxis befinden sich riesige Löcher, riesige Blasen im interstellaren Medium – eben überall dort, wo es zu vielen Supernova-Explosionen kommt und das interstellare Medium verdrängt wurde. Wenn man sich die Milchstraße also komplett mit Blasen durchlöchert vorstellt, dann erscheint es plötzlich gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass unser Sonnensystem auf seiner galaktischen Wanderung eben in das Zentrum einer solchen Blase hinein getrieben ist. Vielleicht wird es in einigen Millionen Jahren diese Blase verlassen und irgendwann eine neue erreichen. 

Noch mehr über die gigantische kosmische Blase um uns herum erfahrt Ihr in diesem Video:

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Kosmische Barriere vorm Schwarzen Loch

Wissenschaftler haben eine gigantische Barriere zwischen uns und dem Zentrum der Milchstraße entdeckt – was diese Absperrung ist und warum sie Leben retten kann, erfahrt ihr in diesem Beitrag. 

Eine kosmische Barriere im galaktischen Zentrum hat sich aufgetan und Ähnlichkeiten zur Handlung von “Star Trek Fünf : Am Rande des Universums” sind rein zufällig. Aber bevor wir uns dieser galaktischen Absperrung widmen und prüfen, was das eigentlich sein soll, schauen wir uns die örtlichen Begebenheiten in unserer Galaxis an.

Weit draußen in unserer Galaxis

Wir sind in unserer eigenen Galaxis, der Milchstraße, eine wortwörtliche Randerscheinung. Unser Sonnensystem ist siebenundzwanzigtausend Lichtjahre vom galaktischen Zentrum entfernt und liegt in einem der äußeren Spiralarme der Galaxis. Im Mittelpunkt des galaktischen Zentrums befindet sich ein supermassives Schwarzes Loch mit dem schönen Namen Sagittarius A*. Und nein, es handelt sich dabei nicht um ein Gendersternchen. Dieses Schwergewicht bringt mehr als vier Millionen Sonnenmassen auf die Waage und hält durch seine Schwerkraft unsere Galaxis in ihrer Form. Auch wir werden von der Gravitation von Sagittarius A* erfasst. Gerade in diesem Moment rotiert unser Sonnensystem mit einer Geschwindigkeit von zweihundertvierzig Kilometern pro Sekunde um das Schwarze Loch.  

Helle Bereiche in Richtung Zentrum

Der Rest des galaktischen Zentrums weist eine sehr hohe Sternendichte auf, viel höher als in den Außenbereichen der Milchstraße. Deswegen sieht das Zentrum unserer Galaxis auf Darstellungen auch immer besonders hell aus. Solche Darstellungen sind aber natürlich nicht echt, denn dafür müsste jemand aus der Galaxis rausgeflogen sein, um ein Foto zu schießen. Diese Distanz ist aber weder für Menschen noch für Roboter derzeit in einer realistischen Zeit zu schaffen. 

Der Blick ins galaktische Zentrum vom Sonnensystem aus

Wir sitzen in unserem Spiralarm der Milchstraße und versuchen zu verstehen, wie die Galaxis genau aufgebaut ist. Und das ist gar nicht so einfach – stellt euch mal vor, ihr würdet versuchen den Aufbau eures Hauses herauszufinden, könnt aber die Ecke des Wohnzimmers nicht verlassen. Die Erforschung der Milchstraße ist also ein ziemlich kompliziertes Unterfangen. 

Nur wenig kosmische Strahlung aus dem Zentrum 

Umso erstaunter waren die Astronomen, als sie gemessen haben, dass aus dem Zentrum der Milchstraße unerwartet wenig kosmische Strahlung zu uns dringt. Kosmische Strahlung ist eine hochenergetische Teilchenstrahlung, die unter anderem von Sternen und Supernovae produziert wird. Da im Zentrum der Milchstraße die Sternendichte sehr hoch ist, würde man erwarten, dass von dort sehr viel kosmische Strahlung zu uns dringt – aber das Gegenteil ist der Fall. Es muss also irgendwas zwischen uns und dem galaktischen Zentrum geben, das die Strahlung abschirmt. 

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Herausgefunden haben das Wissenschaftler der chinesischen Akademie der Wissenschaften. Der beteiligte Forscher Xiaoyuan Huang sagt dazu: “Wenn es keine Barriere gibt, sollte die Komponente des kosmischen Strahlungsmeeres auch in der zentralen Region vorhanden sein. Die Daten zeigen jedoch, dass genau das Gegenteil der Fall ist und eine Barriere vorhanden sein muss.”

Fermi-Teleskop zeigt Barriere

Aber wie haben die Forscher das überhaupt gemessen? Sie nutzten Daten des Fermi Gamma-ray Space Telescope, ein Weltraumteleskop, das den Himmel im Gammabereich durchmustert. Gammastrahlung ist eine besonders durchdringende elektromagnetische Strahlung und die Beobachtung des Universums im Gammabereich ermöglicht es uns daher, besonders energetische Ereignisse wie Explosionen und Kollisionen von Sternen zu untersuchen. 

Die chinesischen Forscher haben die Daten des Fermi Teleskops der letzten 13 Jahre analysiert und haben auch eine Theorie, worum es sich bei der mysteriösen kosmischen Barriere handeln könnte. Die Antwort: Dort liegt der Planet Sha-Ka-Ree, auf dem Gott wohnt. Ok, genug Star Trek Anspielungen für heute. Die wahre Ursache könnte das supermassive Schwarze Loch Sagittarius A* sein. Die Forscher glauben, dass Sagittarius A* ein massives Magnetfeld um sich herum ausgebildet hat, das mit der kosmischen Strahlung wechselwirkt und diese wegdrückt. Diese Magnet-Barriere hat wohl eine Ausdehnung von sechshundertzwanzig Lichtjahren um das Schwarze Loch herum. 

Vergleich mit der Heliosphäre?

Mich erinnert das so ein wenig an eine ganz ähnliche Barriere innerhalb unseres Sonnensystems: Die sogenannte Heliosphäre der Sonne. Die Heliosphäre ist der Bereich, in dem der Sonnenwind, die Teilchenstrahlung der Sonne, so stark ist, dass er die kosmische Strahlung, die im Rest der Milchstraße vorherrscht, größtenteils verdrängt. Wir leben also in einer geschützten Blase, die unsere Sonne für uns bereitstellt und ohne die sich vermutlich kein Leben auf der Erde hätten entwickeln können. Danke, Sonne. 

Darstellung der Heliosphäre

Das Ende der Heliosphäre bezeichnet man als Heliopause. Die hat vor einiger Zeit die Sonde Voyager 2 durchquert, woraufhin viele Medien fälschlicherweise titelten, dass Voyager 2 nun das Sonnensystem verlassen hätte. Ich behaupte, dass das Sonnensystem nicht hinter der Heliopause endet – dort ist eben nur der Sonnenwind nicht mehr stark genug, um das interstellare Medium zu verdrängen. Die Schwerkraft der Sonne ist dort aber noch für eine laaaange Distanz weiter vorherrschend. 

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Der Sonnenwind erzeugt ebenfalls ein Magnetfeld, so dass die Heliosphäre im Prinzip genau das gleiche Phänomen darstellt, wie die Magnetosphäre um Sagittarius A* – nur dass letzteres natürlich viel gigantischere Ausmaße annimmt, da um das Schwarze Loch herum viel unglaublichere Kräfte wirken als in unserem Sonnensystem. 

Erkenntnisse relevant für mögliche Strahlenauswirkungen

Vielleicht fragt Ihr euch jetzt, weshalb es überhaupt wichtig ist, mehr über die Strahlung in der Milchstraße herauszufinden: Der Grund ist, dass die Strahlung eines der größten Probleme für unser weiteres Vordringen in den Kosmos ist. Auf der Erde werden wir einerseits durch die Heliosphäre und vor allem durch die Erdatmosphäre vor der kosmischen Strahlung geschützt. 

Wenn hoffentlich bald Menschen auf dem Mars leben, wird es absolut essentiell sein, genauestens zu verstehen, welche Auswirkungen die dort erhöhte Strahlung auf unsere Körper hat. Denn so weit wir wissen, kann eine erhöhte Dosis kosmischer Strahlung allerlei Krankheiten hervorrufen und sogar DNA-schädigend sein. Solche Erkenntnisse wie jetzt über die kosmische Barriere im Zentrum der Galaxis können uns also zu einem besseren Verständnis der Gefahren der kosmischen Strahlung verhelfen.

Mehr dazu erfahrt Ihr im folgenden Video:

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