Lebensformen unter der Antarktis entdeckt

Antarktis Seen

Forscher haben in der Antarktis Leben unter dem mächtigen Eis gefunden. Mit einer Drohne sind sie direkt in eine Party winziger Lebensformen hineingeflogen. Was es damit wohl auf sich hat?

Die Antarktis ist eine gigantische Eiswüste. Man könnte meinen, dass hier, inmitten des ewigen Eis, keine Flüsse fließen oder Seen aus flüssigem Wasser existieren. Falsch gedacht. Denn genau das befindet sich unter dem Eis. Knapp 400 solcher subglazialer Seen sind bekannt. Auf der Karte unten seht Ihr, dass die Seen ein großes miteinander verbundenes Netzwerk unter dem Eis bilden. 

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Erledigt! Sie sind auf der Liste.
Das Seengebiet unter der Antarktis

Eigentlich ist das allein gar nicht so verwunderlich. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Antarktis ein ganz normaler Kontinent ist und nicht etwa wie die Arktis auf der Nordhalbkugel nur aus Eis besteht, das auf dem Ozean schwimmt. Die Antarktis besitzt eine riesige Landmasse und wie andere Kontinente auch Flüsse und Seen – nur eben versteckt unter dem dicken Eisschild. 

Subglaziale Seen in der Antarktis

Nur, wie kann das Wasser bei diesen Temperaturen flüssig sein? Tatsächlich herrscht in der Antarktis eine Durchschnittstemperatur von minus 55 Grad. Aber zwei Faktoren ermöglichen flüssiges Wasser unter der Oberfläche: Druck und Geothermie. Der Schmelzpunkt von Eis sinkt unter Druck, so dass es schneller schmilzt je weiter es unter dem mächtigen antarktischen Eisschild begraben ist. Und je weiter unten es sich befindet, desto stärker wird die geothermale Wärme aus dem Erdinneren. Beide Faktoren zusammen genügen, um die perfekten Bedingungen für subglaziale Seen zu schaffen. 

Der größte dieser unterirdischen Seen ist der Wostoksee in der Ostantarktis, der 30 mal größer als der Bodensee ist und vier Kilometer unter der Oberfläche liegt. Für Forscher ist es von großem Interesse, ob sich dort unten Leben befindet und welches faszinierende Ökosystem sich in einer solch extremen Umgebung entwickeln könnte. 

Eine Sonde in der Antarktis wird ins Eis hinabgelassen

Wie lassen sich subglaziale Wassersysteme erforschen? 

Wissenschaftler aus Neuseeland nutzten für die Erforschung der subglazialen Seen eine Sonde, die sie einen subglazialen Fluss entlang gleiten ließen, um zu schauen, welche faszinierenden Dinge die Sonde dort aufnehmen würde. Der beteiligte Professor Craig Stevens sagt: “Wir haben bereits an anderen Stellen des Schelfeises Experimente durchgeführt und dachten, wir hätten die Dinge im Griff, aber dieses Mal gab es große Überraschungen. Eine Zeit lang dachten wir, dass etwas mit der Kamera nicht stimmt, aber als sich die Schärfe verbesserte, bemerkten wir einen Schwarm von Arthropoden von etwa fünf Millimetern Größe.“ Richtig gelesen, die Sonde fand unter dem mächtigen antarktischen Eis garnelenartige Lebewesen, die dort ganz munter herum schwammen, bis ihre Arthropoden-Party von der Sonde gestört wurde. 

Garnelen-Party im Wasser der Antarktis

Irgendwie ist es doch nur schwer vorstellbar, dass unter diesen extremen Bedingungen Leben gedeihen kann. Die entdeckten Tiere sind keine neue Art, sie waren der Wissenschaft schon bekannt, aber ihre Existenz unter dem antarktischen Schelfeis ist dennoch überraschend. Es stellt sich vor allem die Frage, woher die Tiere dort ihre Nahrung erhalten. Das neuseeländische Forscherteam lässt eine Probe des Wassers analysieren, um herauszufinden, welche Nährstoffe dort als Nahrungsquelle für die antarktischen Garnelen vorhanden ist. 

Nicht aus der Antarktis, aber trotzdem cool!

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Und das ist nur der Anfang der Erforschung: Das Forscherteam glaubt, dass es auf eine gigantische subglaziale Struktur gestoßen ist. Unter dem Schelfeis befindet sich eine kathedralenartige Höhle, die Hunderte Meter hoch ist und von Leben wimmelt. Und die Forscher haben Instrumente dort zurückgelassen, die in den kommenden Jahren immer weiter Daten über diese subglaziale Höhle liefern werden. 

Was hat die Antarktis mit dem All zu tun?

Solche Entdeckungen sind vor allem im Hinblick auf die Weltraumforschung interessant. Denn auf den Eismonden der Gasplaneten wie Europa und Enceladus existiert eine ganz ähnliche Umgebung wie in der Antarktis. Ihre Oberfläche ist überzogen mit kilometerdickem Eis, darunter befindet sich flüssiges Wasser, ein subglazialer Ozean. Wenn in der Antarktis unter dem Eis Leben existieren kann, erhöht das zumindest die Chancen, dass auch die Eismondozeane nicht zu extrem für Leben sind. Natürlich muss man auch die Unterschiede vor Augen haben: Die Landmasse der Antarktis war vor Urzeiten mal wesentlich lebensfreundlicher und beherbergte sogar Wälder und eine artenreiche Flora und Fauna – sowas gab es auf den Eismonden sehr wahrscheinlich nicht. Aber erinnert euch an Jeff Goldblum aus Jurassic Park: Das Leben findet immer einen Weg.

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