Zombie-Virus zum Leben erweckt

Zombie-Virus in Russland reaktiviert

Ein Zombie-Virus, das jahrtausendelang in einem zugefrorenen See in Russland begraben war, ist jetzt wieder zum Leben erweckt worden. Steht uns etwa die nächste Pandemie bevor? 

Ein Team um die französischen Forscher Jean-Marie Alempic und Matthieu Legendre von der Universität Marseille haben ein rund 50.000 Jahre altes Zombie-Virus wiederbelebt, das die letzten Jahrtausende in einem zugefrorenen See in Russland begraben war. Und als wenn das nicht schon genug Stoff für einen neuen Zombi-Apokalypsenfilm wäre… die Dinger sind auch noch ansteckend! Warum tun Wissenschaftler sowas? 

Wird verarbeitet …
Erledigt! Sie sind auf der Liste.

Ok, bevor wir hier in Panik geraten und uns anschauen, wie ansteckend dieses Methusalemvirus wirklich ist, machen wir erstmal einen kurzen Exkurs in das globale Klima. Rund ein Viertel der nördlichen Hemisphäre ist von sogenanntem Permafrost belegt – heißt, der Boden ist komplett gefroren. Die Erwärmung der Erde führt dazu, dass diese Permafrostböden und auch die Gletscher in allen Teilen der Welt schmelzen und sich das ewige Eis nach und nach zurückzieht. 

Permafrostböden tauen auf

In einigen Gebieten in Sibirien ist das Eis schon komplett verschwunden und hat echt seltsame Dinge zum Vorschein gebracht. 2007 hatte der Rentier-Hirte Jurij Chudi den Kadaver eines Baby-Mammuts entdeckt, das aufgrund der Eisschmelze freigelegt wurde. Normalerweise ist der Permafrostboden in Sibirien ständig gefroren. Aber, wie gesagt, erwärmt sich die Erde und so taut das Eis an bestimmten Stellen immer wieder auf. Das 50 Kilogramm schwere Mammut war über 10.000 Jahre alt und wurde im Eis perfekt konserviert. Klon-Experten träumen schon von der Wiedergeburt der Mammuts… dann gäbe es vermutlich bald sowas wie Chili con Mammut oder leckeren Mammutkrustenbraten.

Mammut
Das eingefrorene Mammut aus dem Permafrostboden in Sibirien

Aber was hat das jetzt alles mit dem Virus zu tun? Viel, weil durch das Auftauen der Permafrostböden eben nicht nur süße Mammuts zum Vorschein kommen, sondern auch allerhand organisches Material, zelluläre Mikroben und ja, mit dem Auftauchen von Tierkadavern auch prähistorische Killer-Viren. Und natürlich müssen Wissenschaftler über diese Viren Bescheid wissen, um potenzielle Gefahren für die Menschheit auszuschließen. 

Tote Viren werden reaktiviert

Aus diesem Grund haben die Forscher nun 13 von diesen Zombie-Viren aus dem ewigen Eis wiederbelebt, die aus sieben verschiedenen Permafrostböden isoliert wurden. Das muss man sich mal vorstellen, dieses Lebewesen, das Virus, lag tausende von Jahren tot unter dem Eis und dann kommen plötzlich ein paar Menschen daher und reißen dich aus deinem Dornröschenschlaf. Und dann steht da noch nichtmal ein Prinz, sondern irgendwelche Gestalten in weißen Kitteln. 

Wirklich neu ist das alles jedoch nicht. Der Forscher Jean-Marie Alempic ist den Killer-Viren aus dem Permaforst bereits seit mehreren Jahren auf der Schliche. Jetzt aber veröffentlichte sein Team den aktuellen Forschungsstand zu den genannten 13 bisher unbekannten Viren.  

Zombie-Virus überlebt in Gefriertruhe unter der Erde

Bevor wir uns aber mit der Frage beschäftigen, wie ansteckend diese reaktivierten Viren jetzt für uns sein können, klären wir erst einmal, wie es überhaupt möglich ist, dass diese Lebewesen tausende von Jahren später wiederbelebt werden können. Wir müssen uns die Permafrostböden vorstellen wie eine Art Gefriertruhe unter der Erde. Man spricht von Permafrost, wenn die Temperatur an diesem Ort auf mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren dauerhaft unter null Grad liegt. Dort ist alles permament, also dauerhaft gefroren und unter solchen Bedingungen kann sich organisches Material sehr gut erhalten. 

Eisig: Karte der Permafrostböden
Eisig: Karte der Permafrostböden

Vielleicht habt ihr schon mal von der Idee der Kryokonservierung gehört. Dabei werden Zellen oder Gewerbe in flüssigem Stickstoff eingefroren und die Vitalität der Zellen wird dabei aufrecht erhalten. Stellt euch mal vor, ihr lasst euch konservieren und werdet dann in einer Zeit aufgeweckt, in der interstellares Reisen möglich ist und es in Deutschland endlich flächendeckendes Internet gibt. 

Pandoravirus Yedoma

Aber zurück zu unserem Zombie-Virus. In einem Labor haben die Forscher diese Viren in Zellkulturen wieder virulent gemacht, also wieder von den Toten aufgeweckt. Daher kommt auch der Name Zombie-Virus, nicht etwa, weil diese Viren uns alle zu Zombies machen könnten. Ein Virus davon soll schlappe 48.500 Jahre alt sein, ein echter Methusalem, und das älteste Virus, das jemals entdeckt wurde und das von den Forschern auf den Namen Pandoravirus Yedoma getauft wurde. 

Dieses Virus ist unglaublich groß, es lässt sich mit einem normalen Lichtmikroskop nachweisen. Also nicht nur ein Zombie-Virus, jetzt auch noch ein Riesenvirus. Das Reaktivieren von Viren ist übrigens noch nichts außergewöhnliches, da Viren generell bei Minusgraden gelagert und immer wieder aufgeweckt werden können. Die 13 Viren der französischen Forscher waren aber sogar in der Lage, sich zu duplizieren. Außerdem haben sie kleine Amöben in die Virenschalen geworfen. Das Resultat: Alle 13 Viren wurden infektiös und haben die Amöben befallen. Arme Amöben. 

Zombie-Virus unter dem Mikroskop
Ansteckend und gefährlich? Die Zombie-Viren aus Russland

Genom von Zombie-Virus noch nicht bekannt

Das gefährliche an diesen Viren ist, dass das Genom keinem jener Viren ähnelt, die uns heute bekannt sind. Würden diese Viren nun ausbrechen und auch Menschen befallen, hätten wir keinerlei Forschung und erst recht keine Medikamente. Und was neuartige Viren mit der Welt anstellen können, oder eher gesagt in den Köpfen von Politikern, das haben wir in den letzten Jahren ja am eigenen Leib gespürt. Die Forscher aus Frankreich konnten aber noch nicht sagen, wie lange diese Viren infektiös bleiben, da die Viren aus dem Permafrost, wenn sie auftauen, ja völlig neuen Bedingungen – UV-Strahlung, Sauerstoff, Wärme – ausgesetzt sind. Außerdem muss das Virus dann auch auf einen passenden Wirt treffen und auch hier ist es noch völlig unklar, wen die 13 Viren bevorzugen würden. Amöben auf jeden Fall.

Garantiert nicht ansteckend: Der Plüsch-Pluto.

Die beruhigende Nachricht der Forscher: Panischer Aktionismus ist erstmal nicht angebracht. Beruhigende Worte findet auch Albert Osterhaus, Direktor des Research Center for Emerging Infections and Zoonoses an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Er sagt: „Die Chance, dass solche Viren zu wirklich großen Problemen führen, ist klein, aber niemals 100 Prozent abwesend.“ Er schätzt die Gefahr, die von solchen Zombie-Viren ausgehen, für gering ein, vor allem, wenn die Viren in jahrtausendealten Tier-Kadavern geschlummert haben. Anders sieht es jedoch aus, wenn Forscher auf menschliche Leichen im ewigen Eis stoßen. Hier ist die Gefahr groß, dass Viren ausbrechen, für die unser Immunsystem einfach nicht mehr ausreichend trainiert ist. Also, solltet ihr jemals in Gletschern oder Permafrostböden rumwühlen, und dann eine vom Eis konservierte Mumie finden, tragt besser einen Schutzanzug. 

Viren können Menschen vermutlich nicht infizieren

Michael Buchmeier, emeritierter Professor für Infektionskrankheiten an der University of California, der nicht an der Studie beteiligt war, meint dazu: “Nichts in der Studie deutet darauf hin, dass diese Viren in der Lage sind, Menschen zu infizieren“. Er hält es für sehr unwahrscheinlich, dass eine künftige Pandemie durch einen der in der Studie wiederbelebten Erreger verursacht wird. Wir können also festhalten, dass die reaktivierten Viren keine Gefahr für unsere Gesundheit darstellen. Noch nicht zumindest. 

Um wirklich verlässliche Aussagen treffen zu können, ist die Studienlage derzeit noch zu dünn. Mit ihrer Veröffentlichung erhoffen sich die Forscher aus Marseille nun weiter Unterstützung von anderen Wissenschaftlern, um mehr Klarheit in die Welt der Zombie-Viren zu bringen. Ein echt wichtiger Gedanke und ich hoffe, dass die Wissenschaftler an dem Thema dran bleiben, denn wer weiß, was sich noch so alles in den Permafrostböden tummelt und eventuell in Zukunft freigesetzt werden könnte? 

Wollt ihr noch mehr über dieses Thema erfahren, dann schaut euch unbedingt mal dieses Video an:

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